Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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die Arbeit auf Grund bestimmter feststehender Normen. Die Verteilung geschieht tagtäglich. Jeden Abend findet eine Arbeitsverteilung statt, zu der jeder Arbeiter oder für Gruppen ein Mitglied erscheint, um die Arbeit in Empfang zu nehmen. Diese Form schafft einen Ausgleich der Arbeitsmenge für jeden Arbeiter. Gibt es z. B. viel Arbeit, so arbeitet jeder Arbeiter 5—6 Tage in der Woche Gibt es nur wenig, so kann unter Umständen auf jeden nur ein oder 2 Arbeitstage entfallen. Fernerhin besteht auch ein Unterschied der Zuteilung zwischen verheirateten und ledigen Arbeitern. Es gibt natürlich auch ständige Arbeit, d. h. solche Arbeitsplätze, auf denen der Arbeiter ständig Arbeit hat. Es ist klar, daß diese Arbeit auch außerhalb des Arbeitsamtes zu erhalten ist. Würden alle Arbeitgeber durch das Amt erfaßt werden können, so wären die Bemühungen, ohne das Amt Arbeit zu erhalten, als eine Handlung des Arbeiters gegen das Arbeitsamt zu werten Nun ist es einmal so, daß das Arbeitsamt nur wenig Arbeitgeber erfaßt, weil sie die Institutionen der Arbeit ablehnen. „Ueber die Lage des jüdischen Arbeiters in der Kolonie werde ich noch gelegentlich erzählen. Sie war schon immer und ist noch heute sehr schwer. Ich glaube, daß hier der Kibbuz eine wichtige und große Aufgabe erfüllt, indem er Arbeitsgruppen auch in den Kolonien hält. Soweit darüber eine Meinung besteht, ist man sich im klaren, daß selbst, wenn wir eine eigne Wirtschaft besäßen, schon doch ein Teil unserer Menschen auf Lohnarbeit in die Kolonie gehen würde. Andrerseits ist es für eine Kwuzah leichter in der Kolonie zu bestehen als für einen einzelnen. „Nun will ich Euch von den Bestandteilen unserer Wirtschaft erzählen Zunächst die Pferde. Unser Plerdestall weist jetzt 3 Pferde und 4 Maultiere auf. Außerdem 3 Esel, 1 Pferd ist eigens für die Bäckerei da, da es den Brottransport in die Kolonie sowie die Heraufbeförderung von Lehm für die Bäckerei und alle Produkte für die Küche besorgt. Ein Gespann Pferde führt alle mögliche Lohnarbeit in der Moschawa aus. Die 2 Gespanne Maultiere werden in einer Kutscherkooperative in Rechowoth verwendet, die gemeinsam große Arbeiten übernimmt: Tiefpflügen mit 12 Gespannen als Vorbereitung des Bodens für Pflanzungen. Damit sind die Tiere fast die ganze Zeit beschäftigt. Dieser kooperative Zusammenschluß jüdischer Kutscher der Kolonie ist noch keine allzulange bestehende Gründung. Sie hat aber schon sehr festen Fuß gefaßt und bekommt in der ganzen Umgebung große Stücke zur Bearbeitung. Einer unserer Fuhrleute ist Mitglied der Leitung der Kooperative mit Rücksicht darauf, daß von uns zusammen mit der Kruzah des Hanoar Haowed vier Gespanne arbeiten. Der Verdienst pro Gespann und pro Tag bewegt sich zwischen 650 — 700 Mi I Hm es und höchstens 1 £. Der Reinertrag beträgt ca 25 — 30% ohne Berücksichtigung von Vieh und Geschirr. Zur Zeit arbeiten von uns Malvin und Klippe mit Gespannen. Im Änschluß hieran — und weil sie sich in dem selben Stall befindet — soll noch von der Existenz einer reinrassigen Damaszener Kuh die Rede sein, die Milch und vor kurzem auch ein Kalb gegeben hat. Eine Neugründung, die sich bisher als sehr glücklich erwiesen hat, ist die Bäckerei. Die Bäckerei besteht in der Form einer Kooperative.—Ein Arbeiter bäckt, der nicht Mitglied der Arbeitsgruppe ist, ein Bäcker, mit dem man einen Vertrag geschlossen hat. Er wird auch einen Chawer von uns anlernen und dann gehört die Bäckerei uns allein. Das Brot, das gebacken wird, ist ganz ausgezeichnet, sowohl Weißals auch Schwarzbrot. Unsere Gruppe z. B. hat einen täglichen Verbrauch von mindestens 60 Broten. Wir liefern das Brot der Konsumgenossenschaft nach Rechowoth, sowie auch an Privatleute. Der Absatz- 48