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Der junge Jude · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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gewesen sind in ihrer Partei außerhalb jeder Partei, gleichviel wo sie standen, sie waren die Einsamen, und auf einmal, weil die Zeit reif war, ist das Phrophetische Wirklichkeit geworden. Und wenn sie das erkennen — darum rede ich, nicht vom Standpunkt einer Partei aus — wenn sie das erkennen, dann weg mit dem Reste, weg mit der Kruste des Alten, die wir alle an uns haben. Jeder ist berufen, die Partei in sich zu töten, jeder ist berufen, bescheiden zur Revolution zu stoßen und zu sagen: Ja ich habe es nicht gewußt, ja, es ist neu über mich gekommen, aber nicht von außen her, sondern irgendwo verborgen, hinuntergerutscht hat es in mir gelebt, es soll jetzt herauf, ich will es pflegen, ich will mitarbeiten. Das kann jeder sagen, gleichviel wo er gestanden hat. Und der das sagt, der braucht nicht einmal zu sagen; ich habe mich geirrt, er braucht nur zu sagen: ja, ich kann mit, ja das ist mein Weg, ja, jetzt kommt ein bischen Freude über mich! Jeder, der das sagt, gleichviel wo er vorher gestanden hat, gleichviel wie er es parteimäßig in Worte formt, was er nun will, jeder, der das erklärt, das sagt und das will, der ist der Revolution willkommen, der kann mithelfen und mitarbeiten. Wer aber unberühr geblieben ist und im alten Stil seine Partei, seine Interessen, sein Steckenpferd, das Vermoderte und Tote retten will, der gehört nicht zur Revolution, der wird nicht mitarbeiten können, und sollte es die Mehrheit eines Parlamentes sein. Die Revolution wird dann auch über die Mehrheit dieses Parlaments hinwegschreiten müssen. * Genau so wie im Volk alle isoliert sind, genau so ist es die Tragik des Geistes, der Genialität, der Künstler, der Weisen, der Propheten, daß sie isoliert sind, daß sie — ich drücke es so aus — Volk in sich hinabgeschlungen haben, in ihnen ist das Volk konzentriert, und sie bringen es heraus in ihrer großen künstlerischen oder prophetischen Gestaltung. Aber sie stehen wie in leerer Luft. Wenn der Geist wieder ins Volk hineingeht dann werden wir ganz andere Zeiten haben, dann wird der Geist Einfluß üben tiefschürfender Art aufs Volk, wird aber auch vom Volke her durch den guten Instinkt des Volkes, durch die Bedürfnisse des Volkes, durch die Einfachheit des Volkes, die vor Verstiegenheit warnt, die allerbesten Quellen empfangen.x) *) Nach dem Protokoll der Verhandlungen des provisorischen Nationalrates des Volksstaates Bayern vom 18. Dezember 1918. Eine Reihe von Abonnenten hat noch immer nicht den fälligen Beitrag für das laufende Halbjahr des „Jungen Juden" geleistet, Wir bitten diese, sich unserer Postscheckkonten Dr. Georg Lubinski: Berlin 117048 Wien 137992 Prag 501582 zu bedienen. Pür das übrige Ausland Wertbrief oder Konto Drf Georg Lubinski bei der Dresdner Bank Berlin, Depositenkasse G. 38

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