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Der junge Jude · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Date
1929-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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glaubt aber — und hierin unterscheidet er sich von anderen jüdischen Lehren — daß alles dies niemals zu einer jüdischen Vollexistenz führen kann. Damit ist aber die Unhaltbarkeit dieser Scheidung zwischen Zionisten und Nichtzionisten gegeben. Denn die prognostische Frage, ob eine jüdische Vollexistenz, oder um das Problem tiefer zu fassen, auch nur eine jüdische Fortexistenz in der Galuth möglich ist, ist eine Frage der Empirie, der Erfahrung und nicht der Ueberzeugung. Es liegt nier kein weltanschauliche! Gegensatz mehr vor, vor allem kein Gegensatz in dem praktischen Wollen, sondern höchstens ein Gegensatz in der Beurteilung des künftigen Zieles des nämlichen praktischen Wollens. Wenn das richtig ist, 'dann hat es keinen Sinn, an diesem Punkte die ideologische, abstrahierende Diskussion fortzusetzen, sondern es muß eine terminologische Vereinbarung erfolgen, was wir jüdische Fortexistenz nennen und wir haben dann an den einzelnen Aeußerungen des jüdischen Lebens zu beurteilen, ob sie diese Fortexistenz gewährleisten oder nicht. üaluthverneiner oder Galuthbejaher kann man aber erst am Ende dieser langen und schwierigen Untersuchung der Lebensäußerungen sein — und dann nicht auf Grund einer Ueberzeugung, sondern nur auf Grund einer Erfahrung. Niemand darf sich also auf die Formel Galuthbejahung oder Verneinung zurückziehen, die Untersuchung der realen Lebensaussichten der Galuth muß vielmehr diesen Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten zur Entscheidung bringen — wenn er wirklich hierin liegt. Auf eines sei zum Schluß noch hingewiesen: Man ist auf zionistischer und auf nichtzionistischer Seite häufig zu leicht mit einem ideologischen Bekenntnis, mit einer Deklaration für den Palästina-Aufbau zufrieden. Es wird als zionistischer „Erfolg" und als „Leistung für Palästina" angesehen, wenn neue nichtzionistische Gruppen sich für den Aufbau erklären; die Verwirklichung dieser Erklärung liegt dann nicht mehr auf ideologischem, d.h. interessanten und „geistig" bedeutungsvollen Gebiet; sie ist nicht mehr Sache der Führer, sondern Sache der „technischen" Durchführung. Hier aber liegt in einem fast noch bedeutungsvolleren Sinne als in der ideologischen Auseinandersetzung der Kern der Unterscheidung. Wer dem Palästinagedanken wirklich zugehörig ist, wer Erez Israel liebt und wer dafür handelt, nur der darf in der Jewish Agency einen Platz beanspruchen, nur der kann bei der Auseinandersetzung zwischen Zionisten und Nichtzionisten von einer gemeinsamen Gesinnung und Grundhandlung ausgehen. Georg Lubinski. 36

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