Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3497353-3497375-3497376--771-3497707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der kollektivistischen Erziehung. Für uns ist der Kibbuz die Wirkungsstätte von breiten Massen, die die bestehende Gesellschaft innerlich ablehnen, die aus innerer Not zu neuem Sein streben. Er ist keine Sekte von Auserwählten, die beschlossen haben, „in Liebe und Gerechtigkeit zu leben'4. Es geht nicht an, daß sich jemand von vornherein tfür das Kibuzlelben beosnders geeignet hält- Nur durch die Erfahrung im Kibbuz selbst, durch innere Kämpfe, durch die Bewährung im tatsächlichen Leben wird der Mensch zum Kollektiv erzogen. Der Kibuz soll und kann ein Weg für Massen sein, für den „einfachen" Chawer, der nicht immer die Gabe der logischen Definierung und der ideologischen Begründung seines Tuns besitzt. Dieser Chawer kann vielleicht nicht immer ausdrücken, was ihn beseelt, aber er kann arbeiten, lieben, an den anderen Menschen glauben, sich dem gemeinsamen« Werke hingeben und an diesem selber erhoben werden." Die Auffassung des Bundes vom Weg seiner Chawerim in Palästina (es sind in den letzten Jahre mehr als 600 Menschen des fiechaluz Hazair zur Ali]ah gekommen), wird in demselben Aufsatz in folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: „Auch unseren Weg zur Kibuzbewegung im Lande hat unsere Bewegung auf natürlichem Wege mit ihrem gesunden Instinkt gefunden. Niemals haben wir irgendwelche besonderen Beschlüsse über unsere Zugehörigkeit zum Kibuz fiameuchad gefaßt. Niemals haben wir ihn als den einzigen Weg verkündet und es braucht nicht erwähnt zu werden, daß wir niemals unsere Chawerim auf den Kibuz fiameuchad verpflichteten. Die Be" wegung fand aus ihrer ganzen Erziehung heraus im Kibuz fiameuchad ihren natürlichen Ausdruck. „Es besteht im Lande eine Kibuzbewegung, die sich in den Bedingungen des Landes verwurzelt und bewährt hat- Aber ihr Weg ist keineswegs leicht. Sie befindet sich in einer individualistisch lebenden Umgebung. Die Kibuzbewegung umfaßt wohl einige Tausende, aber der Kibuz muß und kann sich in einen Lebensweg für viel e Tausende verwandeln- Er soll zu einer Lebensform und zu einem kolonisatorischen Instrument der arbeitenden Massen werden. Diese Aufgabe wird die Kibbuzbewegung aber nur durch Vereinigung der Kräfte, durch Konzentrierung der Erfahrung und Energie und durch gegenseitige Befruchtung verschiedener Volksschichten erfüllen 'können. „Die Kibuzbe wegung im Lande ist vorläufig noch nicht geeint. Sie hat sich noch nicht zu einem gemeinsamen kolonisatorischen und gesellschaftlichen Weg gefunden- Aber in ihr gibt es einen starken entscheidenden Teil, der den Gedanken einer großen, im Volk verwurzelten Kibbuzbewegung in sich trägt Das ist der Kibuz fiameuchad. Er vereinigt in sich breite Schichten der Alijah und nimmt Menschen aus verschiedenen Ländern auf. Er will seinem Rahmen bis zur Schaffung einer umfassenden vereinigten Kibuzbewegung erweitern. Der Kibuz Meuchad ist ein organischer Teil der zionistisch-sozialistischen Bewegung im Lande, er ist verbunden mit der jüdischen und internationalen Arbeiterschaft. „Ohne Beschlüsse des Bundes, ohne Resolutionen hat der Chawer sich selber entschlossen: ,-Dies ist der Weg, der meinem Willen, meinen Vorstellungen entspricht." E. N- Schmuel Schenkmann Bei einer Sportfahrt mit einem Segelschiff auf dem Kinereth-See ist-in einer stürmischen Nacht Schmuel Schenkmann, ein Führer des lettischen Haschomer fiazair, ertrunken. Einem Brief, den er kurze Zeit vor seinem Tode geschrieben1 hat, entnehmen wir folgendes: „Ich will» Dir heute etwas ^Persönliches" schreiben. Vor 3 Monaten schrieb ich Dir über meinen Beschluß, die Leitung des Kibuz zu verlassen- Diesen Beschluß habe ich« voll und ganz verwirklicht Der Kibuz existiert selbstverständlich auch weiter. Es ist viel1 Gutes durch mein Ausscheiden entstanden. Ueber das Schlechte will 35