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Der junge Jude · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · page 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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Die wirtschaftliche Lage dieser arbeitenden Jugend ist sehr schwer. 12—13jährige Jungens arbeiten oft 14 bis 15 Stunden täglich- Oer sehr niedrige Lohn reicht kaum für die dringendsten Bedürfnisse. In manchen Fällen muß der Bund eingreifen., um den Chawerim wirtschaftlich zu helfen- Er versucht, Leihkassen zu gründen und durch gegenseitige Hilfe -die Existenz der jungen Menschen zu erleichtern. Das Heim, das „Nest" des Bundes, bedeutet für die Jungen und Mädels ihr Haus, das eine kameradschaftliche Atmosphäre mit der oft fehlenden Wärme des Elternhauses verbindet. Der Bund ist in 3 Altersschichten geteilt. Letztens versucht er eine vierte jüngere Schicht von 9—11 jährigen zu erfasseni. In seiner ideologischen Auffassung betont der Bund die Chalüziuth und den Hechaluz als Ausgangspunkt seiner Erziehung. Von diesem Standpunkt aus hält er die Ueberzahl der chaluzischen Jugendbünde für überflüssig und schädlich. Er fordert, daß die Erziehung zur Chluziuth durch die Histadruth und den Hechaluz als Ganzes geschehen solle und verwirft die Abgeschlossenheit der Bünde, die sogenannte „Autonomie". In seiner letzten Kundgebung schreibt der Hechaluz Hazair: „Unser Bund war immer unter den Trägern des Gedankens der Einheit der Chaluzbewegun-g und der Schaffung eines einheitlichen chluzischen Jugendbundes, der dem Hechaluz unmittelbar angeschlossen ist... Die älteren Menschen des Hechaluz Hazair im Hechaluz schließen sich nicht in besonderen Hachscharahgruppen ab. Sie stehen den allgemeinen Bedürfnissen und Plänen des Hechaluz zur Verfügung". Ueber den Erziehungsweg des Bundes sagt einer seiner Führer (A. Berdischewksy „Die Grundlagen unserer Bewegung im Lichte der Wirklichkeit — Zeitschrift „Hechaluz Hazair" — Dezember 1930): „Der Mensch lebt in der heutigen Gesellschaft in einer individualistischen Gesellschaftsform. Er ist von der Sorge um sich selber voll beansprucht. Diese Lebensweise, die schiefe Begriffe von Ehre und Achtung, von Reichtum und Glück, von Eigentum und Lebensziel erzeugt, — vergiftet den Menschen in seiner Beziehung zum anderen und zu sich selber. Sie drängt ihn — oft gegen seinen Willen — auf den Weg der Heuchelei, des engen Egoismus, der Ausbeutung und der Bedrückung. „Die jüdische Umgebung in Stadt und Städtchen ist mit diesem kleinbürgerlichen Geist durchtränkt: Das Streben zum „Tachlis", „sich einzuordnen", ist den verschiedensten sozialen Schichten gemeinsam. Auch der jüdische Arbeiter, die arbeitende Jugend, leben in dem Bestreben, „aufzusteigen", sich in die bestehende Gesellschaft einzureihen. „Chalüziuth heißt: eine neue Lebensweise, Schluß mit dem Spießbürgertum; Chalüziuth ist eine grundsätz" liehe Aenderungen des Menschen- Sie bewirkt neue Beziehungen zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mann und Frau, eine andere Erziehung des Kindes als in der bestehenden Gesellschaft, eine neue Kultur der kollektiven Arbeit und der gegenseitigen Hilfe. „Die tagtägliche Wirklichkeit ist gegen uns- Die Schule, die Straße, der Betrieb, der Film, das Theater wirken in einer uns entgegengesetzten Richtung. Diesen Einfluß des Lebens kann man durch Ideologie und Moralpredigt nicht besiegen. Wir müssen der bestehenden Wirklichkeit eine andere Wirklichkeit gegenüberstellen: Tatsachen gegen Tatsachen. Und das ist schwer. Es fehlt uns eine erzieherische Umgebung. Wir werden sie also selbst kollektiv schaffen, durch den Kibbuz, durch die Hachscharah kibbuzith in der Diaspora werden wir die erzieherischen Grundlagen für ein umfassendes Kibbuzleben in Palästina legen. „Der Kibuz soll aber keine Stätte für einzelne „Ausgewählte" sein. Kein Zufluchtsort für diejenigen, die „rein" sind, die die Bedeutung des Kollektivs mit „klarem" Bewußtsein erfaßt haben. Nein, nicht so verstand unsere Bewegung den Gedanken des Kibbuz und 34

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