Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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und hatte schon alle Vorbereitungen für -die Alijah getroffen.'— Die Chawerdm würdigten die verantwortliche Arbeit der Kommission. Wir forderten diejenigen, die diesmal nicht bestätigt wurden, auf, kein böses Gefühl im Herzen zu behalten und dem Kibuz treu zu bleiben. Nun folgte die Abstimmung über die einzelnen Vorschläge. Man sprach nicht. — Es herrscht vollkommene Ruhe und eine überaus ernste Beziehung zur Sache. Man war darauf bedacht, den Ernst der Stunde nacht zu stören. Ich hatte das Gefühl, daß beim Erheben der Hände, diese nicht nur zur Abstimmung erhoben wurden» sondern daß man dabei auch die Werte des Kibuz und der gegenseitigen Verantwortung erhob« Alle Vorschläge der Kommission wurden bestätigt. Dies war ein Zeichen für die Richtigkeit ihrer Auswahl. Zugleich aber auch ein Ausdruck der Gemeinschaftskraft des Kibuz. Die Abstimmung war gegen 3 Uhr morgens beendet- Nun nahm L. das Wort. Er sagte aufrichtige Worte über das Niveau der Versammlung. Alle Befürchtungen waren grundlos gewesen- Diese Bestätigung zur Alijah bedeutete, den früheren gegen' über einen großen inneren Aufstieg. So gab es nicht nur einen Aufstieg ins •Land, sondern auch eine innere Erhebung der Menschen. Ich war von der Stunde so ergriffen, daß ich meine Worte kaum zu Ende sprechen konnte. Ich sprach von den Gehendem und den Bleibenden, von Klossowa und seinen Verdiensten um den Kibuz und den Hechaluz. Von der Liebe, die dieser Ort jedem einflößt, der mit ihm verbunden is.t- Ich sprach über das Erstaunliche, daß eine solche Liebe in so unsagbar schweren Verhältnissen wachsen kann- Es war 4 Uhr morgens-, als wir die Versammlung mit der Hymne von Klossowa schlössen. Warschau. L. Levite. Chaluziuth an den Schulen Palästinas* Es herrschte einmal eine Ansicht, -daß man in Palästina aufhöre, Zionist zu sein. Derjenige, der sich in Palästina niedergelassen habe, habe seine Pflicht als Jude erfüllt, er habe die Aufgabe des jüdischen Volkes — Rückkehr nach Palästina — für sich gelöst. Auf Grund dieser Anschauung bildeten sich in Palästina Typen von Menschen heraus, die sich durch nichts als durch ihr Dasein in Palästina von einem in einem anderen Lande ansässigen liberalen Juden unterschieden, die man zwar als Palästinenser, nicht aber als Zionisten ansprechen konnte. Noch jetzt trifft man im Lande viele Schüler, die dadurch, daß sie eine jüdische Schule besuchen, die hebräische Sprache sprechen und im palästinensischen Leben stehen, ihrer Pflicht als Juden nachgekommen zu sein glauben. Im Gegensatz dazu ist in den letzten Jahren an den Schulen Palästinas eine Bewegung entstandendie gegen diese selbstzufriedene Anschauung auftritt, die die historische Aufgabe des jüdischen Volkes erkennt, die jüdischen Massen aus den unproduktiven Berufen zu einem Leben der Landwirtschaft und der Industrie zu überführen, und die hieraus ihre Konsequenzen zieht. Getrennt voneinander haben sich in den beiden größten Städten des Landes chaluzische Jugendbewegungen entwickelt: in Tel-Aviv die „Chuge hanoar halomed" und in Jerusalem die „Legion hazofim", die sich beide vor einem Jahre zu einem einheitlichen Bunde zusammenschlössen, wenn auch die verschiedenen Namen vorläufig noch erhalten bleiben. Vor vier Jahren, im Jahre 1926, sonderte sich im Tel-Aviver Gymnasium „Herzliah" ein Kreis von Schülern ab, den der Unterricht im Gymnasium in Bezug auf zionistische Geschichte und zionistische Gegewartsprobleme nicht befriedigte und der sich entschloß, in einer selbständigen Arbeitsgemeinschast diese Gebiete zu behandeln. Dieser „Chug", von einigen wenigen Lehrern unterstützt, machte sich daran, sich eine Kenntnis der Entwicklung der zionistischen Bewegung anzueignen und damit eine Grundlage für das Verständnis der aktuellen Probleme. So wurde die erste Alijah besprochen. Man sah die vom zionistischen Standpunkte aus drohenden Gefahren, die eine Besiedlung des 31