Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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des Bedürfais nach Schuhen und Kleidern. Hier im Kibuz hilft man sich irgendwie. Aber wenn man hinaus soll, spürt man das Fehlen der notwendigen Kleidung. Ami anderen Abend war die Versamimlung. Sie war überfüllt. Die Zeit der Bestätigung zur Alijah ist immer mit starker Unruhe und 'Nervosität verbunden- — Ich eröffnete die Versammlung, erzählte über die schwere Lage im Lande, erklärte, warum uns diese Lage zu einer besonderen Verantwortlichkeit in der Auswahl der Olim verpflichte. Ich gab den Beschluß des Merkas wieder, von 260 Kandidaten (in Klossowa und seinen Untergruppen) nur 70 auszuwählen- Die Chawerim beeilten sich nicht, ihre Meinung zu äußern. Einer sagte nur: „'Die Tage der Bestätigung zur Alijah können für den Kibuz eine Zeit des Aufstieges aber auch eine Zeit des Niederganges sein. Wir müssen eine solche Atmosphäre schaffen, daß 'uns die Alijah zu innerem Aufstieg wird." Die Chawerim schwiegen auch weiter. Wir nahmen das Schweigen als Zustimmung zu dem Vorschlag des Merkas. Es wurde eine Kommission gewählt, die der nächsten Versammlung einen Vorschlag unterbreiten sollte. In dieser Kommission saßen wir drei Tage und drei Nächte- Es war keine leichte Aufgabe- Sie war mit realen, aber auch mit psychologischen Schwierigkeiten verbunden: wer konnte von 260 Chawerim, nur 70 auswählen. Es herrscht hier schon eine gewisse Auffassung über die Bestätigung zur Alijah. Diese Auffassung identifiziert die Bestätigung mit der Anerkennung der Alijahreife. Es ist nicht leicht, jemanden zurückzustellen. Schließlich müssen die Bestätigten noch in Kategorien aufgeteilt werden. Bei der Bestätigung legten wir keinen Wert auf formal-juristische Defini" tion- Was berücksichtigten wir? Es waren Argumente verschiedener Art und Herkunft: die Dauer der Vorbereitung des Chawers, seine Beziehung zur Arbeit, zur Gemeinschaft, seine Kenntnisse im Hebräisch, seine Stellnug im Kibuz, seine organisatorische Diszipliniertheit und sein Bewußtsein als Arbeiter. Dies also mußte summiert werden. Entscheidend war, kurz gesagt, die Anpassungsfähigkeit des Chawer an das Leben im Lande und im Kibuz,, so wie es sich heute darstellt. Wir begnügten uns nicht mit einer Abstimmung. Wir klärten die Frage jedes Einzelnen soweit, bis wir schließlich zu einer allgemeinen Uebereinstimmung kamen. Es herrscht eine schwüle und gespannte Atmosphäre vor der letzten Bestätigung zur Alijah. Schorn in unser Sitzungszimmer drangen allerlei Gerüchte von außen. Es war kein leichtes Gefühl, mit dem wir in die allgemeine Versammlung gingen. Als wir an den Wohnhäusern vorübergingen, waren diese vollkommen leer. Im Versammlungssaal fanden wir alle Chawerim mit ganz wenigen Ausnahmen- Der Saal war überfüllt. Die Ruhe, die im Zimmer herrschte, verwunderte mich- Es war eine ungewöhnliche Ruhe, eine Stimmung der Erwartung. Ich hatte ein besonders ernstes Gefühl, als ich an den Tisch herantrat. Ich eröffnete die Versammlung mit der Erklärung unserer Auswahlmethode. Ich las die Namen der Bestätigten nicht vor, sondern bat die Chawerim, sich vorher auf die allgemeinen Gesichtspunkte der Auswahl zu konzentrieren. Man spürte Ungeduld im Saale- Man wollte schon die Namen der Bestätigten hören- Wir sagten, bevor die Liste vorgelesen wurde, daß formell die Versammlung das Recht habe, die Vorschläge der Korn* mission abzuändern- Aber die Verantwortung für die Alijah und das weitere Leben im Kibuz hier erfordere es, die Liste unverändert zu bestätigen. Alle fühlten ein hohes Verantwortungsbewußtsein in der Versammlung. Dies gab uns auch die Kraft auf unserem Vorschlag zu bestehen. Es herrscht Totenruhe, als die Liste der „Erwählten" verlesen wird- Wer weiß, wieviel Herzen erwartungsvoll schugen, als der Spruch über sie gesprochen wurde- Dann folgten die Bemerkungen. Ein Chawer erklärte weinend, er müsse zum Militär gehen, wenn er jetzt nicht zur Alijah gelange- Ein Anderer kam eben von zu Hause 30