Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DER BEWEGUNG Klossowa*). Nach langem Fahren kam ich nach Klossowa. Das Klima ist hier viel strenger als in Warschau. Ein richtiger russicher Winter, Klossowa ist vollständig im Schnee versunken- Als ich die Kranken im Kibuz besuchen wollte, (an jenem Tage waren fast 50 Prozent der Chawerim an Grippe erkrankt), war es manchmal gefährlich, den Gang zu den einzelnen Gebäuden zu machen. Der Schnee lag 'bis zu den Knieen, dazu noch ein Sturmwind und eine undurchdringliche Dunkelheit. Ich mußte die ganze Zeit an die Zeilen von Block**) denken . ♦. ,,Schwarzer Abend weißer Schnee, der Mensch kann nicht auf seinen Füßen stehen". Es ist das vierte Mal, daß ich Klossowa besuche und es trifft sich, daß ich den Kibuz immer in einer anderen Jahreszeit sehe. Das letzte Mal war es Sommer, und ich verdanke der Jahreszeit die Möglichkeit, viel Gutes zu sehen- Und jetzt: im Speiseraum sind alle Wände feucht, der Kalk hat sich gefärbt. Der Kälte wegen mußten die Chawerim viele ungeheizte Zim" mer verlassen. Man wohnt darum sehr eng. Manchmal schlafen drei Chaweroth in einem Bett. In einigen Zimmern findet man auch Betten übereinander. Dazu dann die vollständige Arbeitslosigkeit. Zu meiner Zeit arbeiteten von 160 Chawerim nicht mehr als 10- Der Kibuz hat ein Defizit von ca 4000 Zloty. Das Essen hat sich verschlechtert. Kredit gibt es fast nicht. Jeden Tag besteht die Gefahr, daß die Mehllieferung eingestellt wird. So ist die Lage. Aber trotz allem, sofort nach meiner Ankunft spürte ich im Kibuz eine innere Sicherheit, eine gewisse Verwurzelung. In diesem größten Hachscharahkibuz finde ich immer mehr Wärme als in manchem *) Klossowa ist der größte Hachscharahkibuz des polnischen 1„flechaltiz"t- **) Block, ein bedeutender russischer Lyriker aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. anderen Kibuz, der sich seines organischen Gewachsenseins rühmt. Selbstverständlich fühlte man die Schwere der Lage- Aber man hört nicht viel Klagen und die Chawerim verstehen die Situation. Sie ertragen sie in vollem Bewußtsein. Ich merke trotz aller Entbehrungen gewisse Vervollkommnungen in vielen kleinen Dingen. Die Verbesserungen in der Küche, die ich vor einem halben Jahr eingeführt habe, sind fortgeführt worden. Die Küche in Klossowa üst heute vorbildlich organisiert. Es sind neue Möbel hinzugekommen und verschiedene andere Einrichtungsgegenstände. Die gesamte Arbeit in der Küche wird von einem Chawer geleitet, der sich ständig mit dieser Arbeit beschäftigt. Es hat sich schließlich auch eine feste Gruppe von Chaweroth für die Küchenarbeit gebildet. Die Chawerim haben ein vollkommenes Vertrauen zur Küchen führ un<^, was in den Hachscharahkibuzim nicht sehr oft vorkommt. In den letzten vier Monaten, in der Zeit der Suspendierung der Alijah, der politischen Niederlagen und der allgemeinen Niedergeschlagenheit hat nicht ein Chawer Klossowa verlassen. Dafür sind 8 neue hinzugekommen. Ich wollte schon am ersten Tage mit der Versammlung beginnen. Aber viele Chawerim waren krank und drohten, zur Versammlung zu erscheinen. Wir riefen also eine Sitzung der Leitung zusammen. Wir sprachen über die Arbeitslage und die Perspektiven. Hier suchte man nicht den Ausweg, indem man den Chawer nach Hause gehen hieß. Man bemühte sich in der näheren und weiteren Umgebung Arbeit zu finden. Meine Stellung in der Sitzung war sehr schwierig. Ich war zwar ein Mitglied des Merkas, konnte aber nichts helfen. Bei unserer finanziellen Lage, die uns nur mit Mühe und Not die geringe, für meine Reise notwendige Summe aufbringen ließ, konnte ich der Gruppe keine finanziellen Zusicherungen geben. — Die zweite Frage war: die sofortige Vorbereitung der Alijah. Es herrscht ein dringen- 29