Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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heit zu einem Lebensweg aufzurufen, mit dem soviel Lasten und Leiden verbunden sind. In der Golah — hartnäckiges und verzweifeltes Festhalten der Hachscharah-Kibuzim, gefährdete Arbeitsplätze, Arbeitslosigkeit und grausame Lebensbedingungen, und mehr als alles — der Schrei der Chawerim und Chaweroth, die um jeden Preis ins Land gehen wollen, ein Schrei, in dem soviel Unglück, Hingabe und Leiden verborgen ist und der die Seele erschüttert... und von dort, aus dem Lande, kommt auch das Echo von einer schweren Front. Tiefe Angst erfaßt die Menschen um die Zukunft: was wird sein? Und der Kampf der Arbeiterschaft in den Kolonien, die nach Arbeit verlangt und schreit, und die Hände, denen keine Arbeit gegeben wird, und die sich zu Fäusten ballen — und in dieser Stunde muß man hinausgehen zur jüdischen Jugend und ihr zurufen: Das ist Euer Weg, der in den Hachscharah-Kibuzim beginnt mit ihren Leiden und mit dem Schrei nach Alijah, und dessen Fortsetzung vielleicht jenes Lager ist, das jetzt an den Toren der Pflanzer von Petach-Tikwah und Neß- Zionah steht. Eine mächtige Seelenkraft wird gefordert und eine starke Erkenntnis, die durch den Schmelzofen ging und gehärtet, gefestigt daraus hervorkam, um zu wissen, daß das der Weg ist, ohne den nichts ist — und zu diesem Weg mit seinen Schmerzen darf und muß man den jüdischen Jungen und das jüdische Mädchen aufrufen, denn in ihnen liegt der Reichtum des Menschen und der Reichtum des Volkes. Werden die Chawerim von dieser Erkenntnis durchdrungen sein? Zum Schluß des Seminars offenbarten sich viele wichtige Dinge. Zwischen den Chawerim stieg das auf, was in den Monaten wie unter Staub verborgen war. Jene Worte, die mit innerem Brand und mit feuriger Seele über die Arbeiterbewegung in Erez- Israel gesagt worden waren und von denen es zuerst schien, als ob sie an eine Mauer von Schüchternheit und Gleichgültigkeit, daß das Erbe der heutigen Jugend ist, zerschellt wären — sie hatten ihre Wirkung getan. Die letzten Tage zeigten, daß die Worte nicht verloren gegangen sind, sondern daß sie sich langsam und heimlich in die Seelen eingegraben hatten. Man fühlte, daß Liebe zur Sache da ist, daß man in ihr Wurzel geschlagen hatte und daß sie die letzte Grundlage des Schicksals ist. Der letzte Abend, der feierliche Abschiedsabend, führte die Zusammenkunft zu einer unerwarteten Höhe hinauf. Es war wie ein Amboß, auf denn noch einmal die chaluzische Erkenntnis geschmiedet wurde. Die unsichtbare Hand des Schicksals verwandelte den Abend zu einem Kampfplatz, in ein dramatisches Zusammentreffen naher und ferner Kreise des Volkes, die zufälliger- oder nicht zufälligerweise zu diesem feierlichen Abend erschienen waren. In den Worten Grünbaums klang die Angst um das Wesentlichste und die tiefste Grundlage, als ob sie dem chaluzischen Lager verlorengegangen und durch unwichtige, gleichgültige Dinge ersetzt worden wäre. Schmerz und wahre Angst lag in seinen Worten und sie rührten die Seele. Aber hier öffnete sich dennoch 27