Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3497353-3497375-3497376--762-3497698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Geld ist nur, daß man schon so müde und hungrig an jedem Ort ankommt, daß man manchmal außer Essen nichts mehr aufnehmen kann. Von den meisten Kibuzim haben wir so nur einen sehr oberflächlichen Eindruck bekommen. Aber die Natur konnten wir dafür gründlich genießen. Wenn mich jemand fragt, wo es am schönsten war, möchte ich antworten wie manche Kinder, wenn man sie fragt, wen von den Eltern sie mehr lieben: „Den Vater habe ich lieber und die Mutter habe ich lieber". Das Schomron, das Emek, der Jordan und der Kinerethsee — eines vom andern so verschieden und jedes an sich so schön. Stellenweise gingen wir durch reine arabische Gegenden, wo man keine jüdische Seele erblickt. Viele Leute haben uns abgeraten. Aber wenn man kein Geld hat, muß man wenigstens mutig sein. — Fast an allen Orten hatten wir Bekannte. Zu unserem Glück. Denn wir sind alle drei ein bißchen schüchtern und an einem Ort, wo man keinen Mensch kennt, erfährt man dadurch ziemlich wenig. Ich habe mich zuletzt wieder sehr auf zu Hause gefreut. Und als ich kam, fand ich Eure Briefe. Und die Chewrah hat uns auch so warm begrüßt, daß mir ganz wohl und ganz wie wieder zu Hause zu Mute war. — Weißt Du — Gemeinschaft ist eine so schöne Sache, wir können sie nur oft noch nicht richtig leben. Doch hoff4 ich, lernen wir das noch. Else. M. B-SKI: ABSCHIED VOM SEMINAR Vorbemerkung: Vom September vergangenen Jahres bis Januar 1931 fand im Warschau ein vom Welthechaluz veranstatetes Führerseminar für Chawerim aller Calüzbünde statt. Unter Beteiligung von 45 Chaverim und Chaweroth aus verschiedenen Ländern wurden die Problemkreise der jüdischen nud sozialistischen Gegenwart behandelt* Nachstehender Beitrag soll unseren Lesern einen Eindruck vom Geiste des Seminars vermitteln. Das Seminar des „Hechaluz" ist beendet und seine Teilnehmer gehen nun hinaus in die Golah, um zu erfüllen, was ihnen aufgegeben ist. In einem stillen Winkel Warschaus, in dem Viertel der Volksarmut und der Arbeiter, lebten 45 Chawerim und Chaweroth in angestrengter geistiger Arbeit. Es war ein hebräisch-chaluzischer Winkel, der sich auf der Grenze zwischen Erez-Israel und der Qolah befand, in seiner hebräischen Sprache, in seinen Beziehungen zur Wirklichkeit Erez-Israels und in seiner Atmosphäre. Mit Aufmerksamkeit sah man auf das, was sich hier und dort, im Land und in der Qolah ereignete. Die Chawerim, die vorher die Bewegung besucht hatten, brachten lebendige Grüße mit. Von Zeit zu Zeit las man Briefe aus Erez-Israel. Das Seminar lebte mit den Sorgen der Bewegung. Und jetzt beginnt die Arbeit. Es ist nicht leicht, jetzt in die Golah hinauszugehen und von Neuem mit Kraft und innerer Sicher- 26