Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS GIW'ATH BRENNER Vorbemerkung: Wir bringen nachstehend eine Reihe von Fragmenten ans Briefen, die im Laufe 'des letzten h'alibem Jahres aus Giwath Brenner, dem Konzentrationspunkt des Brith Haolim im Lande, nach Deutschland gelabten. Von unserem Leben. ... Eins will ich Euch vor allem sagen: Ich fühle mich hier wie nirgends sonst frei, ausgefüllt von der Arbeit, dem Leben — und noch etwas, ich fühle mich zu Hause, vor allem hier in der Plugah. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was einem ein Stück Land, eigenes Land, bedeutet, auf dem ein Kollektiv mit aller Kraft arbeitet, auf dem langsam ein Haus emporwächst, — es steht jetzt schon, — auf dem aus der Erde ein Brunnenrohr herausschaut, — jetzt schon das Brunnenhaus, — auf welchem ein Wald, — die Bäume sind noch ganz klein, — ein Weinberg, ein Orangengarten sind. Ueberall fühlt Ihr die Arbeit der Chawerim und an manchen Orten könnt Ihr schon sagen: hier habe ich das oder jenes getan. Ihr helft mit bauen und dieses Schaffen von neuen Dingen, dieses Gestalten eines neues Lebens ist das herrlichste Wagnis. Dieses Heraustasten aus Altemi und Suchen nach Neuem füllt Euch hier aus, — voll und ganz. Sicher, es gibt noch viele Dinge, die noch unvollständig sind, die noch nicht einmal recht begonnen wurden. Aber das ist das Schöne: sich immer ein neues Ziel zu stecken, niemals mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Jede Minute ändert alles. Jede Minute bedeutet die gespannten Muskeln von vielen tausend Arbeitern, die aufbauen. Jede Minute bedeutet Klassenkampf im positiven Sinn: nämlich Aufbau einer neuen Wirklichkeit. Wir haben noch viele Dinge vor uns. Wir müssen Formen finden für Dinge, die in der Qaluth selbstverständlich waren, für Kleidung, Wohnung, Möbel, für Feiern, für Erziehung unserer Kinder. Wir werden alles selbst schaffen: aus unserer Gegenwart, aus der Gegenwart dieses Landes, das wir alle sehr lieben. Arjeh. Brunnen, Bauten und Kinder. ... Wir hatten 90 Meter tief gebohrt. Aber noch immer wollte das Wasser nicht kommen. Halbe Nächte fast hat die gesamte Plugah vor dem Brunnenhaus gestanden, gewartet, gewartet, bis das erste Wasser kam, gejubelt, als--dann kam nichts! Arbeit und Arbeit — zweimal die Rohre wieder herausgeholt. Und jetzt geht es gut. Der Wasserbehälter steht' weiß und schön da. Die Rohre sind dicht, im Garten arbeitet Tag und Nacht die neue Regenanlage. S. übernahm die alte Regenanlage und bewässert Klee auf dem Stück Land, dort, wo im Anfang der Mais stand. — Es gibt auch genug Trinkwasser. Nur ist uns ein grosser Filter unerschwinglich und das Wasser daher noch sehr sandig. Hinter dem Wasserbehälter wird die neue Bäckerei gebaut. Dahinter die neuen Duschräume und die Wäscherei. Die Kosten 23