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Der junge Jude · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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H. FRUMK1N: TRANSJORDANIEN Ueber die Lage in Transjordanien im allgemeinen, über die wirtschaftliche Lage im besonderen, existieren nur sehr spärliche Nachrichten. Es gibt keine genauen Zahlen über die Bodenflächen, keine bevölkerungsstatistischen Daten, unerforscht sind die natürlichen Schätze des Landes, über die wirtschaftlichen Möglichkeiten fehlt auch das allernotwendigste Material. Diese Unzulänglichkeiten finden, neben vielen anderen Gründen, ihre Erklärung vor allem in der Primitivität der dortigen Lebenshaltung und Wirtschaft, in dem Mangel an wirtschaftlich treibenden Kräften, die dringend daran interessiert sind, die Möglichkeiten des Landes kennen zu lernen und sie nach Kräften auszunutzen. Die großen, ausgedehnten Flächen gestatten der Bevölkerung, auskömmlich zu wirtschaften, beträchtliche Stücke Frucht-Land als Schafweide zu verwenden, ohne sich um die volle Ausbeutung des Reichtums an Wasser und fruchtbarem Boden im Interesse einer dichteren Besiedlung zu kümmern. Das Land ist der jüdsichen Einwanderung und Ansiedlung verschlossen, ihm fehlt die gärende Kraft der Träger moderner Kultur und moderner Bewirtschaftung, die es aus seinem tiefen Schlaf aufrütteln könnten. Nach minimalen Schätzungen beträgt die Bodenfläche Transjordaniens gegen 40 000 000 Dunam, d. h. etwa 50 Prozent mehr als diejenige von Westpalästina. Seine Einwohnerzahl wird auf 300 00 Seelen taxiert, das sind 200 Prozent weniger als in Westpalästina. Der Regireungsschätzung zufolge zerfallen die Einwohner in folgende Gruppen: 1. 130 000 Personen mit festem Wohnsitz in Städten und Dörfern, 2. 120 000 Halb-Beduinen, die sich mit Land- und Weidewirtschaft beschäftigen, 3. 50 000 Beduinen, die Kleinvieh und Kamele züchten. Auch in den Rechenschaftsberichten der Regierung über die Lage in_Transjordanien, die an den Völkerbund gelangten, kann man kein grundlegendes Material über die dortigen Zustände finden. Sie enthalten meistens nur Einzelheiten über die Tätigkeit der Regierung 5 man gewinnt schwerlich aus ihnen eine umfassende Vorstellung über das eigentliche Leben und die Wirtschaft des Landes. Der Rechenschaftsbericht von 1929 bringt eine kleine Besserung hinsichtlich der Schilderung des Staatshaushaltes. Man kann aus ihm einige Einzelheiten und Zahlen lernen, die besondere Aufmerksamkeit verdienen, darunter läßt ein Punkt besonders einen Vergleich mit dem Staatshaushalt Erez-Israels gut zu. Die Einkünfte des Fiskus in Transjordanien betrugen im Jahre 1929 L 257.958, nicht gerechnet den Zuschuß der englischen Regierung von L 64.012 zur Stärkung der arabischen Legion und L 5.500 von Seiten der palästinensischen Regierung für die Anteilnahme der transjordanischen Qrenzmacht am Kampf gegen die Heuschrecken in Palästina. Im Durchschnitt leistet jede Person in Transjordanien jährlich etwa L 0,86 gegenüber L 2,47 pro Person in Palästina. Dieser gewaltige Unterschied rührt haupt- 20

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