Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3497353-3497375-3497376--754-3497690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auseinanderzusetzen und den Begriff Adonuth näher zu erklären. Jonathan fällt aber die Sache zu schwer. Er bricht ab und sagt: „Na, du verstehst gar nichts, Adonai ist der Vorname und Elohim ist der Familienname.4' Ein Gespräch zwischen Jonathan und seinem kleinen Bruder Chagai: Jonathan sagt: „Gott ist Feuer". Chagai antwortet: Nun ja, es kann sein, daß Gott eine Lampe ist, dann ist aber sicherlich der Regen ihr Oel". Mia läßt mich nicht in Ruhe: „Was ist denn Gott? Ist Gott Luft? Ist er wie ein Mensch? Wie ißt er da oben? Lebt er nur von Luft? Wie leben Gott und seine Engel da oben, wenn sie keine Luft haben? Na ja, ich weiß schon selbst Bescheid. Gott will, daß wir ihn nicht sehen. Er ist aber neugierig und hat ein kleines Fenster da oben. Ab und zu öffnet er es und läßt etwas Luft hinein". Ich belauschte einmal ein Kindergespräch bei einer Mahlzeit. Man stritt über das Gebet. „Was heißt beten? Zu wem betet man? Wie betet man?" Einer sagt, daß die Großmutter beim Gebet ihre Lippen so merkwürdig bewege. Ein anderer, man müße sich beim Gebet unbedingt schaukeln. Re'uwele springt auf und sagt: „Na, wenn man beten will, muß man ein Telephon zum Himmel haben". — Es gibt auch unter den Kindern einige Freidenker, die mit Stolz behaupten, es gäbe überhaupt keinen Gott. Landwirtschaft und Mäuse. Als wir einmal in Sarain (arabisches Dorf in der Nähe von Ein Charod) waren, zeigte Mosche, der Lehrer, den Kindern den Unterschied zwischen unseren Feldern und denen der Araber. „Wir haben schon vor dem Regen gesät und die Araber tuen es erst nach dem Regen". Nach der Fahrt war eine allgemeine Aussprache über das, was man gesehen hatte. Ich fragte die Kinder, ob sie wissen, warum die Araber erst nach dem Regen säen. Dani verkündet sofort: „Weil sie keinen Verstand haben." Der große Usi erklärt: „Weil ihr Kopf leer ist". Alle lachen, aber sagen nachher von selbst, daß da etwas nicht stimmt. Sie wissen ja, daß die Araber sehr viel vom Boden verstehen. Man sucht also nach anderen Ursachen. Es entwickelt sich ein sehr erregtes Gespräch. Die Kinder brüsten sich mit ihren Kenntnissen aller landwirtschaftlichen Maschinen. Der eine will den anderen in seiner Sympathie für diese oder jene Maschinen übertreffen. Kurz, sie haben es begriffen: der Araber mit seinem kleinen Pflug kann vor dem Regen den ausgetrockneten Boden nicht bearbeiten. Hannele sagt: „Wir haben auf dem Felde zwei Traktoren, einen großen und einen kleinen. Den kleinen wollen wir den Arabern geben." Wir haben Weizen- und Gerstenkörner zum Keimen gebracht. Sie keimten am Freitag und als wir Sonntag wiederkamen, fanden wir nichts von ihnen. Zuerst verdächtigten wir die Kinder. Dann 18