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Der junge Jude · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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ladung. Sie ist es nur soweit, als wir nicht die Fähigkeit haben, ihre rhythmischen Kräfte zu erkennen. Wenn die Erde Pflanzen werden und vergehen läßt, so geschieht das infolge der in ihr wohnenden rhythmischen Energien. Wohingegen wir am Felsgestein keine rhythmischen Vorgänge wahrnehmen, was keineswegs bedeutet daß sie nicht vorhanden sind. Es ist natürlich, daß der Mensch diejenigen rhythmischen Entladungen am stärksten erlebt, die mit seiner Wesenheit, seiner Persönlichkeit unmittelbar zu tun haben. So können die willkürlichen Bewegungen des menschlichen Körpers eine Entfaltung des kosimschen Rhythmus bewirken, welche der der Tonschwingungen gleichkommt, aber die der unwillkürlichen Bewegungen (Atmung, Verdauung, Blutlauf) weit hinter sich läßt. In einer Tanzschöpfung Mary Wigmans tritt der kosmische Rhythmus so rein in Erscheinung wie in der Musik. IV. Damit sind wir dem Kern unserer Untersuchung erheblich näher gerückt. Wir sehen „Beziehungen", wie man das feine Wurzelgefaser einer Pflanze sieht, durch das sie ihren Halt und ihre Nahrung erhält. Eine ungeheure Kraft, die aus einem und demselben Gesetz Welten vergehen läßt und Eintagsfliegen, trägt die schicksalformende Bewegung in das Leben des Einzelnen und der Völker. Alles, was ich anfangs über die Abhängigkeit eines Volkes von seinem Lande schrieb, fließt aus dieser Bewegung, dem Rhythmus des Kosmos. Der Mittler aber, der diesen Rhythmus in der Art eines Transformators durchleitet zum Menschen, zum Volk, ist die Erde seines Landes. Sie hat für unser Begreifen nicht die rhythmische „Begnadung" eines Menschenleibes, der, allen ersichtlich, durch Bewegungen, die aus seinem tiefsten Wesen wellen, sich in die ewige rhythmische Bewegung des Kosmos eingliedern kann, ihr diesseitiger Ausdruck und ihr Gleichnis werdend. Das rhythmische Vermögen eines Landes äußert sich nicht im sichtbaren Augenblick, sondern es wird nachträglich erkennbar in der Geschichte der Geschlechter, die auf ihr wandeln. Die Länder und Zonen erscheinen nicht gleichmäßig rhythmisch begabt. Wie bei den Menschen, so gibt es auch auf der Erde alle Abstufungen, von der höchsten Begnadung bis zur Grenze der Unempfindlichkeit. (Man kann natürlich nur von der gegenwärtigen Gestalt der Erde reden, nicht von den Wandlungen, denen sie in der Zeit unterliegt.) Kräftiger durchflutet der rhythmische Strom die subtropischen Gebiete der Erde als die nördlichen Teile ihrer gemäßigten Zonen, das Licht, das die Welt durchleuchtet, kommt vom Osten. Der Orient und die in einem ähnlichen Rhythmus schwingenden Mittelmeerländer, Indien und die subtropischen Gegenden Amerikas schufen bedeutende Kulturen. Die verspätete Blüte des Abendlandes mag vielleicht in der Zukunft noch Kulturen reifen lassen. Bisher empfing es seine Lebensströme von Hellas, Rom und aus dem heiligen Lande einerseits, vom Protestantismus andererseits, das heißt: nur soweit sie 10

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