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Der junge Jude · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Iuwal, der der Stammvater aller Künstler war, muß ein illegitimer Sohn des Lemech oder ein Kind der Adah aus einer früheren Ehe gewesen sein (in beiden Fällen vom Erbe ausgeschlossen!) Anders ist die merkwürdige Form des Berichts — „sein Bruder namens Juwal" — kaum zu verstehen. Sonst hätte doch gestanden „Lemech zeugte den..oder: „Adah gebar den". Dieser Juwal also ist der erste Künstler auf Zither und Schalmei. Daß hier Musik und nicht eine andere Kunst als erstes Zeugnis schöpferischer Bewegung im Menschen genannt wird, ist natürlich. Ist Musik doch der reinste diesseitige Ausdruck des kosmischen Rhythmus. Aber auch Zillah gebar dem Lemech, nämlich den Tuwal-Kain, den ersten Waffenschmied. Nach Kain, dem ersten Totschläger muß der genannt sein, der der Vater des organisierten Mords, des Krieges ist. So ist also das Gesetz des Rhythmus: Besitz wird aus Schuld. Das Schwert vernichtet den Besitz. Mit ihm allerdings auch die Kultur, sein illegitimes Kind. Seit Menschen da sind, geschieht es so, bis auf diesen Tag, in unerbittlicher Spannung und Entspannung. III. Der Begriff Rhythmus des Kosmos muß noch klarer werden. Man muß ihn greifen können als etwas ganz und gar Konkretes. Da stellt sich das Bild der elektrischen Kraft unwillkürlich vor uns hin. Wir müssen unterscheiden zwischen dem reinen Begriff — Rhythmus, der als eine absolute Bewegung zu verstehen ist, und zwischen seiner Erscheinung in der Materie. Und nur mit dieser letzten kann man etwas anfangen. Die Materie ist gewissermaßen geladen mit rhythmischen Energieen. Aber die Körper (die Stoffwelt) sind nicht gleichmäßig befähigt, diese Energieen zur Entfaltung zu bringen. Etwas, das wie Willkür erscheint, im Grunde aber wohl unerforschbares Gesetz ist, „begnadet" einzelne Teile der Materie mit höherer rhythmischer Ausdrücklichkeit. Es ist so, als flösse der Rhythmus durch eins leichter und ungehemmter als durch ein anderes, als gäbe es Stoffe größeren und geringeren Widerstands. So sind der Ton oder die zum Tanz sich formende Bewegung stärkstes Mittel rhythmischer Entladung, die bewegungslose, anorganische Natur schwächstes Mittel. Ich könnte auch sagen: der Rhythmus der Musik vermag uns eine Ahnung vom Wesen der rhythmischen Vergänge überhaupt zu geben, indem sie uns in Zustände versetzt, in welchen wir das Bewußtsein des Körperlichen haben und, ganz dem Walten des Rhythmus hingegeben, dem Urwesen uns nahe fühlen. Etwas ganz ähnliches empfand ich aber auch, wenn ich beim Bade im Meere mich geschlossenen Auges von den Wellen treiben ließ. Der atemgleichende Rhythmus der Welle hob in mir das Bewußtsein meiner Körperlichkeit auf, so daß ich selbst eine der rollenden Wellen war. Danach gilt also nur im begrenzten Maße, was ich eben sagte: die anorganische Natur sei schwächstes Mittel rhythmischer Ent- 9

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