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Der junge Jude · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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durch sie zu erkennen. Sie bleiben auch dann noch Gleichnis für Unausdrückbares. Ich schlage die Bibel auf. „Gott sprach: „fortan sollen, solange die Erde steht, nicht aufhören Säen und Ernten, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht". Das ist das Gesetz des Rhythmus, welches heißt: Spannung und Entspannung, Erneurung und Ermüdung, Werden und Vergehen. Der Rhythmus ist der Demiurg, der am Beginn alles Seins steht, die schöpferische Bewegung, die Sonnen, Monde, Erden, nachdem sie sie geschaffen, für immer unter ihr Gesetz zwingt. Auch der Mensch ist eine Schöpfung des Rhythmus. Er steht unter seinem Gesetz. „Von Staub bist du geworden, zu Staub sollst du vergehen". Ich lese in der Urgeschichte von dem gewaltigen Ringen der Menschen um das Vorrecht ewiger Dauer. „Die ganze Lebenszeit Adams, die er lebte, betrug 930 Jahre, und er starb... Die ganze Lebenszeit Seths betrug 912 Jahre, und er starb" usw. usw. Der Mensch, sich als das vorzüglichste Geschöpf betrachtend, will sich bestreiten von dem ehernen Gesetz des Rhythmus. Aber er unterliegt in diesem Kampfe. Gott sprach: Nicht bleibe mein Geist ewiglich im Menschen, denn auch er ist Fleisch. Es soll seine Lebenszeit 120 Jahre betragen. Der Mensch atmet ein und atmet aus, ißt und verdaut, arbeitet und ruht, wacht und schläft, lebt und stirbt. Alle unwillkürlichen Daseinsäußerungen: der Rhythmus der Atmung, des Blutkreislaufes (Herzschlag), der Verdauung, sind dem Urrhythmus des Kosmos eingegliedert. Aber auch die willkürlichen Daseinsäußerungen, alles, was der Mensch schafft, verfällt ihm. „Lemech nahm sich zwei Frauen, Adah und Zillah. Adah gebahr den Jawal, den Stammvater der Zeltbewohner und Herdenbesitzer. Sein Bruder namens Juwal war der Stammvater aller derer, die sich mit Zither und Schalmei befassen. Aber auch Zillah gebar, nämlich den Tuwal-Kain, den ersten Schmied in Eisen und Erz". Das ist aber eine großartige Geschichte der Kultur in drei Sätzen. Woher Lemechs Reichtum kam, der es ihm ermöglichte, zwei Frauen zu nehmen, erfahren wir nicht. Es scheint damals gewesen zu sein, wie heute es ist, daß man den Beginn des Reichtums gerne mit dem Schleier des Vergessens zudeckt. Sein Sohn Jawal, den Adah ihm gebar, ist der Stammvater der Zeltbewohner und Herdenbesitzer. Das ist jene Gruppe von Menschen, die infolge ihres Besitzes, weniger hart ums tägliche Brot kämpfend, Träger und Verbreiter der Kultur ist. Deren Schöpfer allerdings, die Künstler, hatten auch damals schon keinen Anteil am Besitz. 8

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