Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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die großen überraschenden und die kleinen alitäglichen, entspannend, erlösend, befriedigend?! Oft geschah mir, daß ich mitten in der Nacht aus tiefstem Schlaf aufwachte. Nicht in herzklopfemder Erregung, wi'e nach einem Sprung über Abgrund, der zwischen Schlaf und Wachen liegt. Voll ruhiger Sicherheit. Dann wanderte ich unter dem gewaltig gespannten Sternenhimmel, dessen bildervolle Klarheit mir verhteß, das seine Geheimnisse nicht unenträtselbar seien. Wir sind Erez-Israel verfallen. Ich habe in fünf Jahren alle Bitterkeiten des Landes geschluckt. Meitoe Mundwinkel verziehen sich im Gedenken daran. Zwingende Gründe veranlaßten mich, vor anderthalb Jahren mit meiner Familie nach Deutschland zurückzukehren. Und doch Erez-Israel verfallen! Die folgenden Ausführungen sollen dem Versuch dienen, dieses Phänomen zu erklären. Da, wo sie abzuschweifen scheinen, möge man gewiß sein, daß sfe zum Wesentlichen gehören. Vieles ist nur angedeutet, weil es meines Wissens noch niemals erörtert worden ist und (deshalb gründlicherer Untersuchung bedarf. II. Vielgestaltig ist die Abhängigkeit efties Volkes von seinem Lande. Beziehungen, nicht immer nachprüfbar, aber doch zu deutlich in Erscheinung tretend, als daß man sie verneinen könnte, sind vorhanden. Man spricht davon, wie ein Land den Charakter seiner Bewohner bestimme. Der Einfluß der heiteren Sonne des Südens auf Temperament und Eigenart der Bewohner ist oft genug erwähnt worden. Daß Menschen, denen die Trauben in dem Mund wachsen, heiterer, zufriedener, leithter leben, als die, welche in mühseliger Arbeit Felsen und Hänge eine Handvoll Erde abringen oder aus tiefem Tale terrassenbauend Spaten um Spaten Boden hinausschaffen zur sonnbeschienenen Höhe---wem leuchtet das nicht ein! Auch ist es verständlich, daß in eftiem reichen, üppig-fruchtbaren Lande Müßiggang und Genuß verbreiterter sind als in Ländern, deren Armut die Bewohner zu harter Arbeit zwingt. Selbstverständlich endlich, daß verfeinerter Genuß und Möglichkeiten zur Bildung in solchen Ländern früher eine hohe Kultur reifen ließen als da, wo das Volk lange um die Sicherung seiner Existenz kämpfen müßte. Während andererseits Wille und Energie, durch harten Lebenskampf gezeugt, dem armen Lande längere Blüte und größere Macht versprechen, als die verweichlichten Bürger eines von allen Göttern gesegneten Landes für sich erwarten können. Wenn man sich nun noch erinnert, das die geographische Lage eines Landes äußerer und innerer Politik die Richtung gibt, wie etwa Deutschlands kontinentale Eingeschlossenheit, es dazu zwang, der starke Mann zu sein, während Englands Inseleinsamkeit es befähigte, sein erdumspannendes Imperium zu gründen, so könnte es scheinen, als sei der Bezirk der Beziehungen eines Volkes zu seinem Lande damit abgeschlossen. Das ist er aber keineswegs. Dieser Bezirk ist nicht zu schließen. Er ist grenzenlos. Weil alle Beziehungen der Völker, 6