Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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und Umzüge von Arbeiterkindern zu überfallen, aufgegeben haben. Die Faust ist einer anderen Faust begegnet und mußte zurückschrecken. Die palästinensichen Arbeiter als Klasse haben von dieser Faust nichts zu fürchten, sie sind zahlenmäßig stärker, organisatorisch und kulturell in der Uebermacht. Aber die Sorge um die Entwicklung des gesamten jüdischen Jischuws, der gesamten zionistischen Bewegung, stellt der Arbeiterklasse die Frage: Wie werden wir mit einem Bürgertum zusammenleben, in dem heute fast 40% durch diese Gesinnung beherrscht wird? Wie wird sich das Leben in der jüdischen Gemeinschaft Palästinas bei solchen politischen Sitten und gesellschaftlichen Gewohnheiten gestalten? Diese Fragen sollte sich die ganze zionistische Bewegung stellen. Wenn wir eine innere Konzentrierung des jüdischen Volkes auf den wirtschaftlichen Aufbau wollen, wenn wir friedliche Beziehungen mit dem Nachbarvolke für notwendig halten, wenn wir ein erträgliches Zusammensein der verschiedenen Klassen des jüdischen Jischuw für unentbehrlich erachten — muß der Revisionismus als Ideologie und als gesellschaftliche Atmospäre im Zionismus überwunden werden. Diese Ueberwindung ist das entscheidendste Problem des bürgerlichen Zionismus von heute. HUGO ROSENTHAL: JÜDISCHES LAND UND JÜDISCHES SCHICKSAL I. Bei einer Wanderung durch den Libanon kam die Rede auf die Schönheit Syriens, seinen Wasserreichtum, seine Fruchtbarkeit gegenüber der Armut der palästinensischen Steinwüsten. Da sagte einer meiner Freunde: „Syrien betrachte ich, wie man eine schöne Frau ansieht. Auf Erez-Israel schaue ich wie auf ekie geliebte Frau44. Er sprach damit aus, was wilr alle empfanden. Wir sind Erez-Israel verfallen wie man nur einer geliebten Frau verfallen sein kann, in leidenschaftlicher, eifersüchtiger, blinder Liebe. Wir. Eine- Meine Zahl unter den fünfzehn Millionen Juden der Erde. Wir. Mehr als das kleine Land in seiner gegenwärtigen Größe zu fassen vermag. Wir, in allen Ländern der Welt Geborenen, denen Palästina ein geographischer Begriff war wie Syrien. Ich habe meine Jugend im Teutoburger Walde verlebt. Noch heute erfüllt mich Glücksgefühl, wenn jemand mich fragt, wo ich geboren sei, und ich ihm antworte: fti Lippe. Daß es nicht Berlin ist und nicht Frankfurt, nicht Hessen oder Schlesien, sondern diese Handvoll Erde am Teutoburger Wald, das scheint mir bedeutungsvoll. Ich war Wandervogel. Die schönsten Teile Deutschlands habe ibh zu jeder Tages- und Nachtzeit mit offenen Augen und offenem Herzen durchstreift. Warum blieb immer ein quälendes Gefühl von Nich-t-ganz- Erfülltsein in mir? Etwas, was Rätsel war und Lösung heischte? Vor fünf Jahren ging ich nach Erez-Israel. Mit einem Male wußte ich: ich bin zu Hause. Wie wirkte da jiedes Naturerlebnis, 5