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Der junge Jude · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · page 6

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Journal
Der junge Jude
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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politische Radikalität, die von den schweren Pflichten des nationalen und privaten wirtschaftlichen Aufbaues in Palästina befreit, •entspricht sehr der inneren Schwäche und Tatunfähigkeit des zermürbten jüdischen Volkes. Diese scheinbare politische Aktivität ist nicht mehr als ein Ausdruck einer tatsächlichen Impotenz. An ihr kann das zionistische Werk mehr als an äußeren Hindernissen zugrunde gehen. Nicht weniger gefährlich ist der Revisionismus für unsere Beziehungen zu den arabischen Nachbarn. Auch den normalen Völkern, die in ihrem Lande eine Mehrheit bilden, wird die Aggressivität ihren Nachbarn gegenüber keinen Segen bringen, aber für uns, die in Palästina eine Minderheit und im Orient vorläufig nur eine kleine Insel im großen arabischen Meer sind, ist die Züchtung der Ideologie „nur durch die Uebermacht werden wir die Araber zu einer Versöhnung zwingen" ein allzu gefährliches Spiel, das sich zuerst an uns rächen wird. Die' revisionistische Demonstration am Vorabend der August-Unruhen soll nicht vergessen werden. Wenn man manchen Artikel im „Doar-Hajoma, der von nationaler Minderwertigkeit der Araber spricht, liest, kann man darüber verzweifeln, wie schnell wir unsere Diaspora vergessen haben und wie schnell wir von anderen Völkern das Dümmste und Hassenswerteste übernommen haben. Die anderen haben wenigstens einen Staat, der die Folgen mancher Dummheit nach außen und nach innen lindern kann. Wir, die diesen Staat nicht haben, und die Frieden mit den Nachbarn brauchen, um einen Staat aufzubauen, haben nicht das Recht, uns diese Dummheit zu erlauben. Jabotinski drückte einmal den Gedanken aus, daß das jüdische Volk, ebenso wie die anderen Völker, das Recht auf eigene Raufbolde und Dummköpfe hat. Sicher hat es das Recht. Die Frage ist nur, ob wir nicht zu schnell von diesem Recht G-ebrauch machen. Was bedeutet der Revisionismus für die innere Beziehungen im Jischuw? Die Verwirklichung des Zionismus, der Aufbau Palästinas in seiner heutigen Phase, ist auf einer gewissen Zusammenarbeit der verschiedenen Klassen angewiesen, auf bestimmte, den palästinensischen Begebenheiten entsprechende Formen des Klassenkampfes. Man braucht kein Anhänger der Demokratie zu sein, um zu verstehen, daß, solange sich der zionistische Aufbau noch in seinen Anfängen befindet, die demokratische Selbstbeschränkung des Klassenkampfes für uns eine Notwendigkeit bedeutet. Wenn die Auseinandersetzung zwischen den Klassen im palästinensischen Judentum ein gewisses Niveau verläßt, wenn man jeden Klassenstreit durch die Faust zu lösen versuchen wird, muß man der Entwicklung des zionistischen Werkes mit großer Sorge entgegensehen. Was die Revisionisten in gewissen Kreisen des Bürgertums in Palästina erzeugt haben, ist eine innere Haltung gegenüber der Arbeiterschaft, die es diesen Kreisen unmöglich macht, sich mit der Arbeiterschaft an einen Verhandlungstisch zu setzen. Nicht an der inneren Aenderung dieser Gesinnung liegt es, wenn die Revisionisten ihre Versuche, Arbeiterversammlungen zu sprengen 4

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