Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mus fast lächerlich. Die Stunde der politischen Erleichterung wird zu einer Stunde der Verwirrung im revisionistischen Lager. In der Assefath Niwcharim wußte der Revisionist von Weisl zur politischen Situation nur dies zu sagen, daß man die moslemischen Kreise gegen England einnehmen solle, damit «es England so schließlich zum Bewußtsein komme, daß es auf uns angewiesen sei ... Die Kreise, die die revisionistische Bewegung, besonders in Palästina, gestalten, sind in manchem den gestaltenden Gruppen der faschistischen Bewegung ähnlich. Es sind Teile der bürgerlichen Jugend. Nicht die gesamte bürgerliche Jugend Palästinas. Es gibt jugendliche Kreise im jüdischen Bürgertum Palästinas, die den Weg zur Arbeit und zur Arbeiterschaft gefunden haben. Andere Kreise haben sich mit dem tagtäglichen bürgerlichen Leben verbunden. Auch sie finden ihren Platz im Aufbau des Landes. Anderen wieder fällt der Weg zur Arbeit zu schwer. Sie wollen sich aber auch mit einem einfachen bürgerlichen Dasein nicht mehr abfinden. Alles Bestehende, das ihnen keine leichte Aufstiegsmöglichkeiten verspricht, enttäuscht sie. Sie wollen eine Aenderung, „ein anderes Reich". Das Wesentliche der neuen Ordnung, des „erneuerten, erwachten Zionismus" besteht in ihren Augen darin, daß die alten Führer hinweggefegt werden und sie selber — die Revisionisten — an ihre Stelle treten. Darum ist auch jede schwierige Situation, die man dazu ausnutzen kann, die bürgerliche und sozialistische Führerschaft als „verräterisch" darzustellen, erwünscht. Jede Verzweiflung bringt Gewinn. Je schlimmer, desto besser. Es ist manchmal erstaunlich, wie die Methoden der palästinensischen Revisionisten denen der europäischen Faschisten ähnlich sind. Gegen die Arbeiterschaft: Ihre Führer sind selbstsüchtige Bonzen (siehe die umfangreichen Artikel des „Doar Hajom" über dieses Thema), die Arbeiter dürfen zu den Führern kein Vertrauen haben. Die Histadruth ist durch die finanzielle Unterstützung der Agency verdorben worden. Gegen die Führer des allgemeinen Zionismus, die in Europa bekannten Argumente: Sie haben die Nation verraten, sind bereit, mit ihren Erzfeinden zu verhandeln, Kompromisse zu schließen; das Volk muß ihnen das Vertrauen entziehen. Trotz der vielen nationalistischen Phrasen zeigen die Revisionisten immer wieder aufs Neue, daß sie kein Interesse an der Arbeit der nationalen Instanzen haben. (Auch diesem manchen europäischen Faschisten ähnlich). Man sagt: „Der gesamte Jischuw und nicht Sonderinteressen von Gruppen sollen entscheiden." In Wirklichkeit aber versucht man, die Organisation des gesamten Jischuw, die Assefath ^Niwcharim, zu sprengen. In der Theorie soll der Waad Leumi*) alle Arbeits- und Klassenstreitigkeiten schlichten und entscheiden. In der Praxis zieht man sich aus ihm zurück. Man verkündet: Der Gesamtzionismus soll die auseinandergehenden Parteiwünsche überwinden. In der Wirklichkeit aber versucht man, die Autorität und Einheitlichkeit der zionistischen *) Jüdischer Nationalirat in Palästina. 2