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Der junge Jude · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · page 3

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Journal
Der junge Jude
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUNGE JUDE Januar-Februar 1931 4. Jahrg. Nr. 1-2 Tewet-Schwat 5691 E. LIEBENSTEIN: WIDER DEN REVISIONISMUS Als eine Massenerscheinung ist der Faschismus ein Ausdruck der Verzweiflung. Für die Führer und seine bürgerliche Gönner mag er oft ein klar berechneter Plan zur Niederkämpfung des Proletariats sein. Für die kleinbürgerlichen Intellektuellen und arbeitenden Massen, die sich um ihn scharen, ist er aber ein Ausdruck der Verzweiflung. Der Verzweiflung an allem: An der heutigen Ordnung, am Sozialismus, der diese Ordnung zu ändern versucht, an den alten Führern, die sich diskreditiert haben, an den neuen sozialistischen Führern, die ihre Versprechungen nicht erfüllten. Der Unglaube an der Arbeiterbewegung, der durch ihre innere Zwistigkeiten und Spaltungen gefördert wird, ist ein reicher Nährboden für den Faschismus. Es ist kein Zufall, daß in den Ländern, wo die Arbeiterbewegung nicht gespalten und nicht diskreditiert ist, wie in Oesterreich und Palästina, der Faschismus keinen Einfluß in der Arbeiterklasse hat. Auch der Revisionismus bei uns ist ein Ausdruck der Verzweiflung und der Enttäuschung. Seine neuste Entwicklung ist auf dem Boden der politischen Enttäuschungen der letzten Jahre gewachsen. Eigentlich sollte logischerweise die Folgerung der politischen Schwierigkeiten und Niederlagen eine Konzentrierung auf kolonisatorischem Gebiet und eine Aufgabe von übersteigerten politischen Hoffnungen sein. Diese Reaktion ist jedoch unangenehm. Leichter ist es, aus den Niederlagen eine Atmosphäre der Enttäuschung an allem Bestehenden in der zionistischen Bewegung zu erzeugen, und die objektiven Schwierigkeiten in subjektve Gereiztheit und Hass gegen die Führer umzuwandeln. Bei den Bedingungen der zionistischen Arbeit, verpflichtet diese Enttäuschung und Opposition zu keinem Aufwand. Die Zeit der politischen Schwierigkeiten war die wahre Glücksstunde des Revisionismus. In einer Stunde, als es schwer schien, praktische politische Verhandlungen mit unseren außenpolitischen Partnern (Engländer und Araber) zu führen, konnte man ungestraft politische Illusionen züchten, die den einen Partner (Araber) überhaupt außer Acht lassen und den anderen (England) durch kühne Forderungen zur Willfährigkeit zwingen wollen. Die Erleichterung der politischen Situation, der Verlauf der Verhandlungen mit der englischen Regierung und die ersten Andeutungen einer Aenderung der Atmosphäre im arabischen Lager macht die politische Gebarung des Revisionis- 1

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