Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3497353-3497367-3497370--574-3497620
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mischen, kulturellen und seelischen Bedürfnissen der Masse der jüdischen Einwanderer. Nur als eine Bewegung, die den Bedürfnissen weiter Arbeiterkreise entspricht, kann die Kibbuzbewegung sich angesichts der inneren und äußeren Schwierigkeiten entwickeln. Der Kibbuz Hameuchad bemüht sich, sich einen Zugang zu allen Kreisen der Olim und der Arbeiterschaft zu verschaffen. Er sorgt für die kollektivistische Erziehung auch der bündisch nicht erfaßten Kreise der Chaluzbewegung in Osteuropa. Er legt viel Wert darauf * die in Palästina aufgewachsene Jugend und die angesessenen Arbeiter in Stadt und Land in den Kibbuz hineinzuziehen. Der Kibbuz ist nach dieser Auffassung keine einsame Strömung der Arbeiterschaft — er ist der stärkste Ausdruck des, in der gesamten Arbeiterklasse, lebenden Dranges zur selbstständigen sozialistischen Gestaltungen auf allen Gebieten des Lebens. 2. In der Beziehung zur sozialistischen Partei (die Arbeiterpartei Palästinas) liegt der zweite Unterschied. Die beiden Kibbuzim betrachten die kollektivistische Bewegung als den aktiven Vortrupp der Arbeiterklasse. Das selbständige sozialistische Schaffen des Kibbuz in allen Bereichen der Wirtschaft und des Lebens, das starke Zusammengehörigkeitsgefühl der Genossen und schließlich die ständigen Angriffe, denen diel Kibbuzbewegung seitens der bürgerlichen Kreise ausgesetzt ist, erziehen ganz objektiv die Bewegung zu einer inneren revolutionären Haltung. Aus dieser Situation werden in beiden Kibbuzim verschiedene Schlußfolgerungen gezogen. Der Kibbuz Arzi nimmt an, daß es (jedenfalls jetzt) von Schaden ist, sich der Arbeiterpartei anzuschließen, die nach seiner Meinung nicht genug klassenkämpferisch gestimmt ist (Zugehörigkeit zur sozialistischen Internationale usw.). Der Kibbuz Arzi bildet ein selbständiges politisches Gebilde. Die Zugehörigkeit seiner Genossen zur Arbeiterpartei ist verboten. Es ist zu erwähnen, daß der Kibbuz Arzi in dieser Frage bereits eine ziemliche Entwicklung durchgemacht hat. Vor einer gewissen Zeit verneinte er überhaupt den Eintritt in eine Partei, die nicht nur Kibbuzim, sondern alle Arbeiter in sich organisieren will. Eine Partei, deren Genossen nicht zur kollektivistischen Verwirklichung verpflichtet sind, schien ihm zu einer sozialistischen Inkonsequenz verurteilt zu sein. Jetzt sieht der Kibbuz Arzi die Hindernisse seines Beitrittes nicht in dem Organsationsprinzip, sondern in dem sachlichen politischen Programm der Arbeiterpartei. Das hier psychologische Gründe eine erhebliche Bolle spielen, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Die meisten führenden Genossen des Kibbuz Hameuchad gehören der Arbeiterpartei an, obwohl es jedem Genossen frei steht, einer Partei anzugehören oder unparteiisch zu bleiben. Tatsächlich ist auch die Mehrheit des Kibbuz unparteiisch. Die Genossen des Kibbuz Hameuchad sehen in der politischen Einigkeit der Arbeiterschaft eine notwendige Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit der Klasse, und führen ihren Kampf für konsequente sozialistische Erziehung der Arbeiter innerhalb der Partei. Der Kibbuz Hameuchad sieht in der Abspaltung von der Mehrheit der Arbeiter eine Gefahr, sowohl für die Partei als auch für die kollektive Bewegung. Die erste wird der schöpferischen Kräfte beraubt, und der Gefahr einer Verflachung und reformistischer Ausartung ausgesetzt, die zweite kann sich auf den gefährlichen Weg einer abgeschlossenen Sekte begeben. 3. Nicht weniger bedeutend als die politischen Meinungsverschiedenheiten ist die andersartige Beziehung zur Gestaltung der 103

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.