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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 18

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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gung zählen. Diese Haltung ist inkonsequent. Denn wieso sollen die Grundsätze, die einen Mensehen zum Kampf für den Sozialismus und die Umwandlung der Gesellschaftsordnung getrieben und seine Einreihung in eine Klassenkampforganisation herbeigeführt haben, plötzlich innerhalb der jüdischen Gesellschaft außer Kraft gesetzt worden sein? Die Poale-Zion teilt mit allen sozialistischen Parteien die Erkenntnis, daß der Kampf um eine soziale Aenderung der heutigen Ordnung auch die Menschen ändert, die an diesem Kampfe teilnehmen. Mit Otto Bauer, dem österreichischen sozialistischen Führer, weiß die Poale-Zion einig darin, daß sie die religiös denkenden Proletarier nur gewinnen kann, wenn sie jeden als gleichberechtigten, vollwertigen Kampfgenossen willkommen heißt, der mit ihr den Kampf um die irdischen Ziele teilt, wie immer er über den Himmel denkt. (Otto Bauer: Sozialdemokratie, Eeligion und Kirche, Seite 32/33). Im Lager des proletarischen Zionismus, in den Reihen der großen vereinigten jüdischen sozialistischen Partei Palästinas, stehen neben ausgesprochen areligiösen Menschen auch so religiöse wie Alexander Süßkind Rabinowitsch, den die jüdischen Arbeiter ebenso wie ihre anderen Führer ehren. Wer aus einer nominalistischen und formalistischen Befangenheit nicht herauskommt, wird in der jüdischen Gemeinde, nur die Religionsgemeinde sehen, die sie ihrem amtlichen Charakter nach, nicht jedoch ihrem tatsächlichen Charakter nach ist. Bei der Analyse der soziologischen Struktur der jüdischen Gemeinde ist festzustellen, daß ihrer alltäglichen Praxis nach, ihrer Verbundenheit mit den Fragen des Arbeitsnachweises, der Jugendfürsorge, der Jugendpflege, den Ferienkolonien, dem Palästinaaufbau, der Berufsberatung und der Sorge um die Produktivierung jüdischer Menschen sie eine vorwiegend weltlich - soziale Institution ist. Während nun die Poale-Zion, ebenso wie der zionistische Teil des jüdischen Bürgertums, dieser Wirklichkeit ihre Theorie anzupassen wußte, leugnet der liberale Teil des bürgerlichen Judentums weithin diese tatsächliche längst vollzogene Säkularisierung der jüdischen Gemeinde, sei es weil er aus seiner Staatsbürgerideologie heraus die Proklamierung dieser Weltlichkeit für gefährlich hält, sei es aus anderen Gründen. Es ist klar, daß die Poale-Zion an der Behandlung rein religiöser und Kult-Angelegenheiten nicht interessiert ist, als Ziel in ihrer Gemeindearbeit schwebt ihr die Trennung der religiösen Aufgaben von den anderen Aufgaben vor, wie dies in Hamburg durchgeführt ist. An den Diskussionen über Chor, Orgel etc. pflegen sich die Vertreter der Poale-Zion in den Großgemeinden Berlin und Leipzig nicht zu beteiligen. Wenn die Poale-Zion für einen fortschrittlichen jüdischen Unterricht eintritt, der dem Kinde die jüdische Wirklichkeit, seine Kultur, den Kampf der jüdischen Arbeiterschaft in der ganzen Welt, besonders in Palästina, vor Augen führen soll, so mögen das Menschen, die die jüdische Masse nicht kennen, bekämpfen. Durch die Aufrechterhaltung des Scheines des religiösen Charakters der Gemeinde durch die liberale Bourgeoisie, wird auch in die Kreise nichtjüdischer Sozialisten die irrtümliche, den Tatsachen nicht entsprechende Auffassung hineingetragen, die jüdische Gemeinde wäre lediglich eine religiöse Körperschaft. Je nach der religiös-sozialistischen oder freidenkerischen Einstellung des nichtjüdischen Genossen wird daher dem jüdischen Sozialisten der Rat ge- 96

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