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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 17

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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gion so zu erneuern, daß die Auswirkung dieser Keligion Sozialismus wird, daß sich wohl aus dieser Erwägung heraus auch gelegentlich die Poale-Zion an den Wahlen zum Synagogenrat beteiligt hätten. (Seite 447.) Diese Auffassung ist nicht richtig. Es braucht nicht betont zu werden, welch gewaltige Bedeutung die sittlichen Kräfte der Keligion für den Sozialismus besitzen. Nur wer den tiefen, in die Zukunft weisenden Gedanken des Marxismus lediglich nach den Erscheinungen des politischen Lebens beurteilt, kann behaupten, der Marxismus schloße religiöse Impulse aus. Selbst ein so „orthodoxer Marxist" wie Max Adler lehnt bei aller Ablehnung der Theologie eine Befruchtung der marxistischen Gedankenwelt durch den höchsten proletarischen, „religiösen", Idealismus nicht nur ab, sondern glaubt, daß er für die sozialistische Bewegung das Salz ist, das zu dem Brot des täglichen Kampfes um höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen etc. gehört und dem ganzen Kampfe um die Emanzipation der arbeitenden Klasse einen gewaltigen, immer wirkenden Auftrieb gibt. Wieviel mehr gilt das für die sozialistische Bewegung eines Volkes, das eine Kette von messianischen Bewegungen zählte, die die Besten dieses Volkes ergriff, der Juden! Worum es geht, das ist: Die Befreiung der Keligion aus den Händen der Kirche, Entkirchlichung der religiösen Kräfte! Es bestehen in allen Völkern Gruppen und Parteien, die die Religion als Mittel benutzen, Proletarier dem sozialistischen Kampfe zu entziehen. Ob es das „Zentrum" oder die „Agudah" ist — hier wird die Beligion zur Parteisache gemacht, und hier steht ein Feind des Sozialismus. Für die sozialistische Bewegung ist die Eeligion keine Parteisache, sondern Privatsache, das gilt genau so für die Poale-Zion im jüdischen Lager. Der Sozialismus sieht keinen Anlaß, in das innere religiöse Fühlen und Denken des Mitkämpfers einzugreifen, der im Tageskampfe Seite an Seite mit seinem freidenkerischen Genossen kämpft. In allen Fällen jedoch, wo die Gefahr besteht, durch die Duldung religiösen Einflusses die Träger bestimmter, dem Proletariat feindlicher, historischer Kräfte zu unterstützen, ist die Haltung der sozialistischen Bewegung zur Keligion als gesellschaftlich-feindlichen Machtfaktor gegeben, entspringt sie den notwendigen Interessen der Politik der Arbeiterklasse und ist unbedingt gegnerisch. Sieht das deutsche Proletariat etwa im Protestantismus eine der mächtigsten Hilfen des preußisch-norddeutschen Feudalismus und der alldeutschen Bewegung, wendet es sich gegen den katholischen „Solidarismus", der klassenfriedliche Illusionen in der Arbeiterschaft erwecken soll, so hat die Poale-Zion nicht minder zu kämpfen gegen orthodoxe, reaktionäre Verbindungen, die dem fortschrittlichen sozialpolitischen und kulturellem Wollen der modernen jüdischen Arbeiterbewegung den Kampf angesagt haben. So ist es in Polen, so in Amerika. Der Geist der Wirklichkeitsfremdheit, wie er in jüdisch-orthodoxen Kreisen herrscht, ist ein starkes Hemmnis für den Klassenkampf, für die Einordnung der jüdischen Arbeiter in die Eeihen der sozialistischen Bewegung. In Palästina ist es die Orthodoxie, die gegen die sozialistische Form der jungen palästinensischen Arbeiterkolonisation, gegen die Kulturarbeit der jüdischen Arbeiterschaft, gegen deren politischen Einfluß, kämnft. Ganz klar ist für die Poale-Zion die Stellung zur organisierten Eeligion in der jüdischen Gesellschaft. Nicht verständlich ist ihr die Haltung von Sozialdemokraten, die sich innerhalb der jüdischen Gesellschaft nicht zur Arbeiterbewe- 95

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