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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 13

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Aber nicht nur bei den Gegner unserer Arbeit im Lande, sondern auch bei den Gutgesinnten und sogar in ganz bestimmten Kreisen der Arbeiterschaft selbst entstanden Bedenken, unsere Feste zu feiern, wenn sie nicht mit der religiösen Ueberlieferung in Einklang gebracht werden können. Es wurde sogar der Rat erteilt, manchmal den „bösen Geist" zu unterdrücken, um ja nicht orthodoxe Schichten zu beunruhigen, und gleichzeitig so unsern politischen Gegnern die Möglichkeit zu nehmen, diese Schichten gegen die Arbeiterschaft zu stimmen. Diese Stellungnahme mancher Genossen ist ein schwerer Fehler. In dem Maße, als sie ihre Meinung durchsetzen, werden sie zur Verdrängung des Gefühles der Stärke beim Arbeiter beitragen. Sie werden seinen Glauben, sein eigenes Leben trotz des äußeren Druckes führen zu können, abschwächen. Ohne diesen Glauben gibt es kein sozialistisches Kulturschaffen. Ich glaube nicht, daß man für diesen Preis, welcher zuweilen viel wichtiger als Lohn und Arbeitsbedingungen ist, sich das Schweigen der Hetzer erkaufen darf. Davon abgesehen ist es ein Fehler zu denken, daß wir dadurch wirklich den Frieden mit ihnen und die Unterbindung der Hetze erkaufen werden. Hier wird jeder, nicht aus eigenem Bedürfnis, sondern durch den äußeren Druck gemachter \ erzieht die Verstärkung des Kampfes gegen uns verursachen. Dadurch wird jede Hoffnung auf friedliche respektierende Beziehung zu unserer Arbeit im Lande genommen. 4. Wir wollen den Fragen auf den Grund gehen. Es gibt zweierlei Arten von „Verletzung" und „Beleidigung" gesellschaftlicher Sitten und Völksüberlieferungen, welche weit voneinander entfernt sind. Mann kann religiöse Gefühle oder gesellschaftliche Empfindungen eines bestimmten Teiles des Volkes damit verletzen, daß man sie in der Wahrung ihrer Sitten stört; und zwar durch eine tatsächliche Störung mit Gewalt oder durch Hetze, die eine peinliche gesellschaftliche Atmosphäre um die Sitten schafft, welche ihre Durchführung erschwert und die damit verbundenen Feste vergiftet. Die organisierte Arbeitergesellschaft hat und wird immer gegen solche Neigungen kämpfen. Sie wird nach ihren Kräften alles tun, um solche Faktoren zu beseitigen, die eine ständige Feindschaft unter den verschiedenen Gemeinden des Volkes und des Landes hervorrufen und eine religiöse sektierende Ungeduld unter den Gläubigen stiften. Mehr als alle anderen Klassen ist der Arbeiter an der Abschaffung dieser aufgebauschten Gegensätze interessiert. Er verlangt mehr als jeder Geduld und gegenseitige Achtung für den Glauben und die Sitte, insofern sie nicht im Gegensatz zu den elementarsten Kulturforderungen: Gesundheit, und menschlichen Beziehungen stehen. Lächerlich ist es, dem Arbeiter einen Vorwurf zu machen, daß «r in seinen Veranstaltungen, in seinem Leben und Feiertagen eine Unduldsamkeit anderen gegenüber pflegt, oder aber, daß er ihnen das iRecht nehmen will, sich nach ihrem Willen nach Belieben zu benehmen. Im Gegenteil: es muß doch Wunder nehmen, daß Freunde und Neutrale, die so um die Wahrung der gesellschaftlichen Sitten besorgt sind, dem Arbeiter vorschlagen, daß er des Friedens und der Uuhe wegen von seinen Bräuchen Abstand nimmt. Dieselben Menschen, die so gut begreifen, daß Kuhe und Frieden dem Volke die restlose Gewähr der Durchführung aller Bräuche, sogar einer noch so kleinen Gruppe, zur Voraussetzung haben, verlangen, im Namen 91

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