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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 12

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Worten „Greuel, Schandfleck"*) bezeichnet werden. Beide zeigen den Unglauben der Träger der religiösen Institutionen an die innere Kraft der TJeberlieferung, welche die Herzen bezwingen sollte. Nur durch einen äußeren Druck will man wenigstens den äußeren Wert der Tradition wahren. Die Schöpfung des Arbeiters auf den verschiedenen Gebieten des Volkslebens, sein Versuch, seinen Werktag und seinen Feiertag als Form des Lebens des ganzen Volkes neu zu begründen, stößt auf den offenen Wiederstand der nicht arbeitenden Klassen. Das Schaffen des Arbeiters hat sozialistischen, aufbauenden Charakter, und ist dem Bedürfnissen des arbeitenden Volkes angepaßt. Mit Recht sehen unsere Gegner in der Arbeiterkultur eine Schwächung ihres Einflusses. Wenn sie dem kulturellen Schaffen des Arbeiters Abbruch tun, so ist es für sie nicht minder wichtig, als wenn sie die Lebenshaltung oder die politisch parlamentarische Macht der Arbeiter zu drücken suchen. Denn, von einem mißglückten Streik und von Wahlniederlagen wird sich die Klasse noch eher erholen, als von einer Verneinung und Bezweiflung ihrer eigenen Werte in Erziehung, Kultur und gesellschaftlicher Ethik. Deshalb wissen die klügeren unserer Gegner oft während eines Streikes oder einer Wahlkampagne zu schweigen, Vergessen aber nicht, gegen unsere Erziehung in der Arbeiterjugend, gegen die autonome Existenz unseres Schulwesens, gegen die Formen der Feste des Arbeiters zu kämpfen. Die Feste der Arbeiter, welche das neue Selbstgefühl und das Verständnis für das Leben in der Gesellschaft und in der Natur zum Ausdruck bringen, in denen das geahnte Glück einer künftigen freien Gesellschaft ohne Ausbeutung angedeutet wird, haben eine unvergleichlich starke aufklärende und vereinigende Wirkung auf die ganze Arbeitergesellschaft. Die Feste schaffen zeitweise den Beginn einer Verbundenheit des einzelnen Arbeiters mit seiner Gemeinschaft, stärken seine Bereitschaft sich der Klasse zur Verfügung zu stellen, festigen seinen Glauben an den Wert der vereinigten Kräfte und an die Notwendigkeit des kommenden Sieges. Unsere Gegner geben sich nicht umsonst Mühe, das Gesicht und die wahre Art der selbstständigen Arbeiterfeste zu entstellen. Hier kehrt eine Erscheinung wieder, welche wir auch in anderen Gesellschaftsbereichen antreffen. Dieselben zionistischen Kreise, die in der Zeit ihres Aufstieges im Volke neue Feiertage hinzufügten, oder sich zum mindesten Mühe gaben, die alten Feste mit einem neuen Inhalt zu füllen und seinerzeit den Kampf gegen die Orthodoxie aufzunehmen wagten,**) spotten jetzt in der Mehrheit unserer Feste, denn sie tasten die Tradition an und erwecken einen Wiederstand, den diese Kreise früher selbst bekämpften. Diejenigen, welche vor Jahrzehnten sich im Namen der Erneuerung des Nationalgeistes das Pionierrecht nahmen, die Art der Feste im Gegensatz zu den bei der Masse damals üblichen Auffassung abzuändern, verbieten uns heute im Namen desselben Nationalgeistes die Eevolution fortzusetzen, welche die Massen des Volkes heute fordern. *) Beide aus einer Proklamation des Rabhinates von Jaffa und Tel- Awiw anläßlich der am .Schabbat stattgefundenen Fahrt des Makkabi zum Fußballspiel. (»Haarez« Nr. 2643.) **) Man erinnere sich an die Wandlungen in Bezug auf Chanukah, Lag-beomer usw. 90

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