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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 11

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Feste zu schaffen sind, wir, die wir die Leere gespürt haben, die daraus entstanden ist, daß wir kein traditionelles Milieu hatten, wir klammern uns mit Freude an alte Sitten, um daraus die neue Form des Festes zu gestalten. Denn auch das ist kein Zufall: Unser Streben ist es, den alten Festen, wie dem Erntefest, dem Brunnenfest, etwas von ihrer Ursprünglichkeit wieder zu geben, von der Zeit, als das Volk noch im Lande saß, landwirtschaftliche Arbeit verrichtete, und mit seiner Gottheit in der Natur lebte. Wir können aber nicht alles von der Vergangenheit entleihen. Noch weniger als von unserer ferneren Vergangenheit können wir von unserer näheren Vergangenheit, der Galuth, zehren. Sehr oft sind unsere Feste grundverschieden von der religiösen Ueberlieferung, die sich im Volke während der schweren unschöpferischen Zeit der Galuth eingebürgert hat. Es gab tiefe Ursachen dafür, den Schabbat durch Begrenzung der Bewegungsfreiheit zu heiligen (Eruw, welcher das Spazierengellen nur in der Stadtgrenze erlaubt, Verbot von Eeiten und Fahren). Für uns aber, die in das Land zurückkehren, ist es natürlich, wenn wir im Buhetag den Tag unseres Zusammenseins mit der Natur erblicken. Wenn wir in der Stadt wohnen, wollen wir diesen Tag für Fahrten nützen. Der Landwirt, welcher am Werktage durch die Arbeit seiner Wirtschaft gebunden ist, will am Schabbat sein Pferd satteln oder den Wagen einspannen, um sein und seiner Genossen Felder zu besuchen oder aber, um zu einem Treffen mit den Genossen einer benachbarten Siedlung zu fahren. Wie gut haben es die Kinder, wenn sie am Sehabbat, frei von Arbeit und Schule, die in dem Stall stehenden Pferde benützen können, um gemeinsam oder einzeln weit, weit, wohin der Wind geht, zu reiten. Es ist nur zu begrüßen, wenn der jüdische Junge und das jüdische Mädchen, die zur körperlichen Arbeit zurückgekehrt sind, den Schabbat, ihren freien Tag, für Körperkultur, Sportspiele, Schwimmen und Eeiten ausnützen. 3. Die Dinge sind so einfach, daß es überflüssig scheint, sie hier darzulegen. Es ist doch selbstverständlich, daß wir unser Leben frei von der Tradition formen müssen. Dennoch hat es den Anschein, daß gerade deshalb, weil die Dinge so einfach und unserer neuen Wirklichkeit so angepaßt sind, sie von vielen nicht leicht verstanden werden. Die Schwierigkeit, das richtige Verständnis aufzubringen, liegt weniger in dem Mangel an Wissen als in einem Mangel an Willen begründet. Wir sind Zeugen des organisierten Kampfes verschiedener „orthodoxer" Kreise des Bürgertums gegen die freie Lebensgestaltung des Arbeiters. Der Kampf nimmt verschiedene Formen an, es fängt an mit den Verleumdungen des Misrachi auf dem Kongreß und in der Propaganda und endet mit dem scheinbar mehr „liberalen" Bittschriften der Eabiner von Tel-Awiw, doch „mit der Entheiligung des Schabbat aufzuhören", d. h. man soll am Schabbat weder Fahrten noch sportliche Wettkämpfe oder dergleichen veranstalten. Trotz des Unterschiedes, den man zuweilen bei den zwei Kampfmethoden sieht, haben sie ein gemeinsames Ziel und einen gemeinsamen Inhalt. Denn, die Forderung eines Menschen an den anderen, er möge nur noch nach den Begriffen des einen leben, enthält sicher nichts liberales. Genau so wenig, wie es als ein Zeichen großer Kultur angesehen werden kann, wenn Eeisen zu sportlichen Festlichkeiten mit den 89

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