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Der junge Jude · 1930-05-01 · Heft 3 (Mai 1930) · page 10

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Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 3 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ARBEITERFESTE UND RELIGIÖSE TRADITION. Von E. Liebensteiii. Dieser Aufsatz ist im vorigen Jahr anläßlich der Auseinander^ setzung um die Feier des Erntefestes in Emek in der palästinensischen Arfoeiterpresse erschienen. 1. Das Leben des Arbeiters im Lande ist eine Neusehöpfung, eine Neugestaltung des Lebens des Einzelnen und der Gemeinschaft. Die Eevolution, welche wir miterlebten, ist einzigartig in der Geschichte unseres Volkes. Und es erscheint deshalb natürlich, daß gerade dieses Leben, welches andere Begriffe vom Guten und Bösem hat, dessen Freude und Trauer aus anderen Quellen kommen, auch eine andere Ausdrucksweise ausgelöst hat. Es ist ein Leben, in dem die Beziehungen der Menschen untereinander, des Einzelnen zur Arbeit, zur Natur und zum ganzen Sein, grundverschieden von den Beziehungen der Menschen der zweitausendjährigen Galuth sind. Es ist also natürlich, daß dieses Leben, aus der inneren Entwicklung heraus, auch neue Feste geschaffen hat, und den traditionellen Feiertagen einen neuen Inhalt gab. Es ist also kein Zufall, daß im Emek, wo unser neues Schaffen sieb umfassender und stärker als anderswo konzentriert hat, wo unser Leben in jeder Hinsicht viel selbständiger ist, die Notwendigkeit eines eigenen Ausdruckes der Festtage zuerst empfunden wurde. So entstanden die ersten Feste der Ernte, so wurde das Brunnenfest erneuert, so suchte man nach Form und Inhalt für die Feier des 1. Mai und für andere Arbeitsfeste. Ich will hier aber nicht den aufbauenden Charakter der Arbeiterfeste darstellen, ich werde nicht über die in ihnen verborgenen Kräfte und Forderungen sprechen, die wir an sie stellen. Darüber wird noch mehrmals gesprochen werden, und nicht durch das Sprechen wird die Wirklichkeit gestaltet. Kaum zeigten sich die ersten Anfänge unserer Feste, da wurden sie — wie jede Schöpfung des Arbeiters, — von verschiedenen Kreisen außerhalb der Arbeiterschaft spöttisch und sogar mit harten Verleumdungen aufgenommen. Die dadurch erzeugte öffentliche Meinung wirkte aucli auf die scheinbar nicht beteiligten und sogar auf verschiedene unserer eigenen Genossen. Und wie immer in solchen Fällen entstand auch hier ein Zweifel, ob wir richtig handelten, oder sogar eine Neigung auf unsere Selbstständigkeit zu verzichten, trotz der Erkenntnis, daß wir im Hechte sind. Aber gerade hier, wie in jedem Fall, in dem die Einheitlichkeit der Klassenerkenntnis bei der Würdigung einer wichtigen Erscheinung in unserem Leben bedroht zu sein scheint, müssen wir uns der inneren Klärung zuwenden. 2. Es ist doch so selbstverständlich, daß Form und Ausdruck unserer Feste anders sind, als die der überlieferten Keligion, denn die belebende Quelle ist eine andere. Und selbstverständlich nehmen sie auch oft einen den alten Formen entgegengesetzten Charakter an. Man braucit Außenstehenden gar nicht besonders zu erklären, daß dies nicht daran liegt, daß man Feste anderer Art um jeden Preis schaffen will. Im Gegenteil: wir, die wir wissen, wie schwer neue 88

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