Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 97 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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alte Generation nicht imstande ist, auch nur das Hebräisch des Gebetbuches zu verstehen, ist bekannt genug. Aber auch die Arbeit der Jugendbewegung hat bisher in diesem Zustande keine oder nur ganz geringe Besserung erzielt. Die Gründe für die Mißerfolge der alten deutschen Generationen liegen deutlich genug; es ist unsinnige Chedermethode der mechanischen Uebersetzung, die die Schuld trägt. Nach diesem eklatanten Mißerfolg kann es für uns keine andere Methode als die Sprachmethode geben, gleichgültig, ob man Hebräisch als eine werktägliche oder als eine heilige Sprache betrachtet. Ich möchte hier für diesen Teil unserer Bildungsarbeit, die nach ihrer Beherrschung allein durch die Lektüre der Bibel im Urtext tausendfach belohnt wird, auf das wärmste Bornsteins „Einführung in das Hebräisch der Gegenwart" empfehlen. Ich weiß, daß zu unserer Bildungsarbeit außerordentlich viel mehr gehört als Bibel, Geschichte und Hebräisch, trotzdem das drei große Gebiete sind, Gebiete, von denen man nur wünschen könnte, daß sie voll und ganz beherrscht werden würden. Seit Jahren habe ich die Bildungsarbeit der jüdischen Jugendbewegung verfolgt. Aber jeder, der sich nicht mit Gesten und programmatischen Artikeln begnügt, weiß: die Wirkung der Bildungsarbeit unserer Jugendbewegung ist fast gleich null. Es gibt heute — trotz der Jugendbewegung — noch immer nicht breitere Schichten „gebildeter" Juden. In unserenReligionsschulen leisten die Jungens und Mädels aus der Jugendbewegung auch gewöhnlich nicht mehr als die anderen. Und trotzdem liest man im Wochenprogramm jeder Gruppe immer wieder von den Vorträgen und Kursen. Seit Jahren wird überall Geschichte getrieben, seit Jahren Bibel gelesen, seit Jahren hebräisch gelernt. Aber der spürbare Einfluß ist gering. Ich meine damit nicht nur die Wirkung nach außen. Sondern auch die jugendlichen Teilnehmer, die nun in ihren Gruppen jüdische Bildungsstoffe vermittelt bekommen, sind davon nur selten, und nur bis zu einem gewissen Grade, erfaßt. Woran liegt das? Es liegt natürlich auch daran, daß unseren Jungens Fahrt, Scout und Singrast lieber ist als Arbeit. Aber es liegt, wie ich glaube, wesentlich mehr an etwas ganz anderem: die bisherige Bildungsarbeit ist schlecht gemacht worden. Sie wurde von Lernenden geleitet. Die jungen Führer der Lerngruppen stehen zumeist noch selbst außerhalb oder knapp am Rande der Sache, die sie zu geben haben. Und die Arbeit ist nicht systematisch genug gemacht worden, kann gar nicht systematisch gemacht werden. Denn der Führer einer Gruppe ist mit der Leitung der Gruppenarbeit (der Fahrt, der Werbearbeit, der Fahrtvorbereitung usw.) so beschäftigt, daß er gar nicht genügend Zeit findet, Bildungsarbeit zu leisten. Deshalb sei hier — nach reiflicher Beschäftigung mit dieser Frage — ein Vorschlag zur praktischen Organisierung der Bildungsarbeit in der jüdischen Jugendbewegung gemacht. Dieser Vorschlag besteht in der Schaffung einer Schule der Jugendbewegung. Diese Schule hätte keine andere Aufgabe als die Vermittlung des gesamten Kulturgutes an Jugendliche. Freilich, die Bevorzugung der Jugendbewegung gegenüber der Jugendpflege bliebe dabei unberücksichtigt. Aber das ist doch eine Frage des Prestiges und nicht eine Frage der Sache. Sicherlich werden 97