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Der junge Jude · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 95

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 95 (sequence 25)
Language
German
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verpflichtet, an den Gemeinschaftsaufgaben der jüdischen Gegenwart mit Einsatz all seiner Kräfte zu arbeiten. Die Bildungsarbeit der Jugendbewegung umfaßt den gesamten Umkreis der jüdischen Kulturgüter. Es kann hier nicht zu jedem dieser Gebiete gesprochen werden. Einige der für unsere Bildungsarbeit in Frage kommende Arbeit seien herausgegriffen. Wir beginnen mit einem unserer wesentlichsten Bildungsstoffe: mit der Bibel. Wesentlich deshalb, weil die Bibel in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit alle Möglichkeiten für die Erziehung und Bildung aller Altersstufen und für jede Art von Interessiertheit gibt. Das Ziel der Bibelerziehung ist natürlich nicht lehrhaft-moralische Unterweisung. Die Bibelerziehung der Jungen, etwa bis zu 12 Jahren, wird — um ein Beispiel zu geben — das Abenteuerliche, Geheimnisvolle der Bibel (etwa in ihren Richter- und Königsgeschichten) herausstellen und ihnen die abenteuerlichen Gestalten des Simson, des einsamen Jefta, des Helden David, des treuen Jonathan, des falschen Absalom lebendig machen. Mädchen werden die Bibel unter anderen Gesichtspunkten lesen: sie werden die feine Stimmung der Brunnenszenen begreifen, sie werden Ruth und Rahel und Deborah lieben, sie werden vielleicht auch ein persönliches Verhältnis zum Psalter eher bekommen können als gleichaltrige Jungens. Bei großen Jungens und Mädels kann eine ganz andere Bibelerziehung angewandt werden. Ein paar Leitsätze seien hier stichwortartig gegeben: Grundlage der Bibelerziehung ist der hebräische Text. Wenn er nicht zugänglich ist, dann muß natürlich eine Uebersetzung die Grundlage bilden. Am besten die Luthersche Uebersetzung oder die Buber-Rosenzweigsche. Freilich darf die Uebersetzung nie das Original verdrängen und es muß immer wieder auch beim Lesen der Uebersetzung auf Klang und Tiefe des hebräischen Wortes hingewiesen werden. Zweitens: Was wir wollen, ist nicht oder wenigstens nicht primär Bibelwi&senschaft. Die Bibel soll verstanden werden als ein heiliges Buch, wenigstens in den Teilen, die nicht Geschichte darstellen. Die Herausstellung des Heiligen in der Bibel fordert die Ablehnung rationalistischer Erklärung. Die Bibel will nicht erklärt, d. h. ihre wunderbare Welt will nicht in die Welt der Mechanik und der naturwissenschaftlichen Gesetze hinübergeführt werden. Die Grundlinien müssen festgehalten werden, nicht nur für die Gruppen bis zur Pubertät, wo sie eben unreflektiert und als selbstverständlich gegeben werden können, sondern sie bilden gerade als Problem Gegenstand der Unterhaltung mit den Aelteren. Ich möchte dabei aus pädagogischen Gründen raten, die Bibel nicht immer in der üblichen kanonischen Ordnung zu lesen. Man wird guttun, den Stoff nach bestimmten Gesichtspunkten zu ordnen. Ich gebe für einige solche Heimabende bei Aelteren (15 bis 17jährigen) ein Beispiel, weil es mir sehr wesentlich auf das Konkrete ankommt. Ein Heimabendcyklus laute: das Lied in der Bibel. Unter diesem Gesichtspunkt wird ausgewählt. Als ersten Abend würde ich vorschlagen: Lektüre aitbabylonischer und ägyptischer Lieder als Parallele in der deutschen Uebersetzung. (Zu finden: bei Greßmann, Altorientalische Texte zum Alten Testament, S. 12 bis 32; dort findet man außer religiösen auch Arbeitslieder, etwa der Drescher, der Sänftenträger usw. Gut zu verwerten ist dabei: Stärk, Lyrik 95

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