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Der junge Jude · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 92

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 92 (sequence 22)
Language
German
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der zur Jugend die herrlichen Worte des Anfanges der Rede „Cheruth" sprach, kann gerade der Jugend Entscheidendes bedeuten. Wenn ich mit einer Bitte an ihn schließen darf, so ist es die, daß er über seine Schriften hinaus mehr noch als bisher der wartenden Jugend seine Person schenkt! JOACHIM PRINZ: BILDUNGSARBEIT IN DER JUGENDBEWEGUNG Bildungsarbeit — das setzt die Erörterung eines bestimmten und eindeutig gefaßten Bildungsbegriffes voraus. Denn wäre dem nicht so, ginge man nicht von einem bestimmten Begriff der Bildung aus, dann erhielte die Aufzählung der Bildungsstoffe etwas ganz Zufälliges, Willkürliches, „Rhapsodisches", Es wäre sonst nichts anderes, als ein Referat über die Technik unserer „Bildungsarbeit". So scheint es notwendig, den Begriff der Bildung zu kontrollieren, der in dem Wort „B i 1 d u n g s arbeit" ein noch unkontrolliertes Dasein führt. Der Begriff der „allgemeinen Bildung" spielt bei uns noch eine große Rolle. Was besagt er? Er verlangt von den Menschen allgemeiner Bildung die Erfüllung einer ganz bestimmten Forderung an beherrschtem oder gelesenem Stoff. Er stellt für jede Zeit eine Liste von Büchern, Tatsachen, Begebenheiten auf, die man kennen und beherrschen muß, um als „gebildeter Mensch" zu gelten. Der Begriff stammt aus der Aufklärungsepoche. Seine offenbaren Fehler sind die „Fehler" der Zeit, der er entstammt. Seine Voraussetzungen sind: Gleichheit aller Menschen und die Anerkennung der Vernunft als des wesentlichen Trägers der Persönlichkeit. Beide? muß heute bestritten werden. Weder kann die Gleichheit aller Menschen für uns eine mögliche Voraussetzung für unser Bildungsideal bilden, noch können wir anerkennen, daß sich die menschliche Persönlichkeit in ihren intellektuellen Fähigkeiten erschöpfend dartut. Bildung kann nicht Wissen bedeuten. Der Gelehrte ist nicht immer oder wenigstens nicht durch seine Gelehrsamkeit „gebildet". In der Tat: Wissen ist weder „Macht" noch auch besonders „Tugend", wenn es nicht eingeht und zwar auf eine besonders innige Weise eingeht in die Gesamtpersönlichkeit des Wissenden. Bildung ist uns die Art des Menschen, seine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen und darzustellen. Bildung ist deshalb kein inhaltlich umgrenzbarer Begriff. Es gibt keine Liste der Bildung, die wie die Speisen auf einer Speisenkarte eines Menüs aufgezehrt werden muß. Die Unbegrenztheit, die Unabgeschlossenheit und zwar die prinzipielle Unabgeschlossehheit ist die „Unfertigkeit" der Kultur überhaupt. Das ganze System der Kultur: Kunst und Wissenschaft, Religion und Technik, Wirtschaft und Dichtung — alles liegt offen da, und gebildet sein heißt nichts anderes, als: sich an diesen Werten, an einem oder einigen dieser Werte zur Darstellung bringen. Sich an den Werten der Kultur selbst „wertvoll" machen, sich selbst an diesem Wert entwickeln, entfalten (was ja letztlich alle Erziehung auch nur wollen kann), das heißt: sich bilden. 92

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