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Der junge Jude · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 88

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 88 (sequence 18)
Language
German
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in den meisten Fällen auf dem Vorhandensein einer niederen ausgebeuteten Klasse der Sklaven, der hörigen Bauern auf), sie sind unmöglich geworden in der Periode der kapitalistischen „Freizügigkeit" und Anarchie. So wenig wir auf die Technik verzichten können, was Buber mit Recht betont, so wenig können wir um den Kapitalismus herumkommen, so wenig bleibt uns dessen Ueberwindung durch den Klassenkampf erspart. So war auch Bubers Glaube an die siedelnde Revolution des Judentums, an das unbelastete Neuland sozialer Gestaltung, die Meinung, daß wir uns vom Kapitalismus emanzipieren könnten, ohne daß dieser zugrunde ginge oder bevor er zugrunde geht, eine Utopie. Das Problem des vergemeinschafteten Menschen, das Buber in den Mittelpunkt stellt, ist ein übersoziales und unlösbar vor der Lösung des gesellschaftlichen Grundproblems. Und doch war es gerade dieses Wort vom „Neuland sozialer Gestaltung", das in den Jahren nach dem Umsturz mehr als irgendeines den Weg unserer Jugend bestimmte. Gewiß war es von Bedeutung, daß man den Palästinaaufbau nicht als Uebersiedlungsprozeß, sondern als durchgreifende Wandlung des Judentums auffaßte, aber nur allzu geneigt war diese Jugend, sich der Illusion hinzugeben, es käme alles nur einzig und allein auf ihren Willen an. Es hat sich gezeigt, daß auch Palästina mit gleichen ökonomischen und sozialen Gesetzen „belastet" ist wie andere Länder. Wohl bestehen m Erez Israel Zellen einer künftigen Gesellschaftsordnung, die unser Teuerstes darstellen, aber es sind eben doch nur Zellen und die neue Gesellschaft wird nicht nur aus einer Vermehrung dieser Zellen neben der bestehenden Ordnung entstehen. Von diesem Gesichtspunkt her haben wir auch zu Bubers Erziehungsgrundlegung Stellung zu nehmen. Es ist einer seiner schönsten Gedanken, wenn er dem Zwang nicht die Freiheit, sondern die Verbundenheit gegenüberstellt, mit Recht betont er auch die Bedeutung der Freiheit als notwendiges Zwischenglied in dieser Entwicklung, aber auch in dieser Untersuchung1) scheint mir der gesellschaftliche Unterbau des Problems nicht genügend berücksichtigt. Es kommt nicht allein auf die Geborgenheit des Kindes, des individuellen Kindes in der Verbundenheit mit dem Erzieher an, es geht darüber hinaus um die Geborgenheit einer Generation im Gesellschaftsorganismus. Eine solche ist heute nicht gegeben, ist heute nicht möglich, denn die anarchische Gesellschaft von heute stellt eben keinen Kosmos dar. Auch hier kann erst in der sozialistischen Gesellschaft, in der diese Vorfrage der Erziehung bereits gelöst ist, das rein erzieherische Problem überhaupt bestehen. Heute kann eine jede Erziehung, die sich nicht auf die Jugend der privilegierten Klassen beschränkt, nur ein Surrogat bieten. Es gibt kein organisches Gesellschaftsgefüge, es kann nur eine Einordnung der Erziehung in den Organismus der sozialistischen Bewegung geben, einer Bewegung also, die vorerst um die Freiheit kämpft, auf Grund derer das Problem der Verbundenheit erst aktuell werden kann. Das ist gewiß recht traurig, aber so wenig wir uns von Raum und Zeit emanzipieren können, so wenig können wir uns von einer Gesellschaftsordnung emanzipieren, solange wir sie nicht zerstört haben. So muß denn auch der *) Buber, „Rede über das Erzieherische". 88

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