Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 85 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Boden besonders schlecht. Dieser Ort war sehr gefährlich: Räuber und Mörder lauerten hier auf Vorüberziehende. Dieser schlechte Boden quälte seine Bewohner lange Zeit, bis er sich uns erschloß und nun ist er in einen Gän-Eden verwandelt. Nicht nur durch göttliche Gnade, sondern durch große Mühe, durch Blut und Schweiß und durch schweres Ringen zwischen Leben und Tod. Diese ruhigen Wasser des Kinnerethsees verschlangen und raubten uns die Seele des ersten Pflanzers (Josef Bussel). Und wo ist der Mann, der nach schweren Jahren der Mühe das Band, das ihn mit dieser Erde verknüpft, zerreißen könnte! Und in einem stillen Winkel, ,,zu dessen Füßen der Jordan seine Wogen wälzt, Geschlecht auf Geschlecht, Geschlecht auf Geschlecht . . .", dort findet sich eine Gruppe Grabsteine und sie sprechen und erzählen . . . Der eine fiel, erschlagen von Räuberbanden, als er den nationalen Besitz schützte, der. andere war ein Opfer der Verfolgungen der Türken in der Zeit Hassan Beks geworden, der dritte verachtete die großen Hoffnungen, glaubte nicht mehr daran und beging Selbstmord, der vierte . . fünfte . . :, neunte . . '*., allerletzte . . ., seine Kräfte schwanden im Schaffenskampfe, er sank zu völligem Kräfteschwund herab und konnte nicht mehr der Wellen des Meeres Herr werden, die ihn verschlangen . . . Dieser Ort und ihm ähnliche sind das Wahrzeichen für den Werdegang unserer Kolonisation im Lande. Hier suchet, und ihr werdet den unversieglichen Born jener Hingebung finden, aus dem der Jugendliche schöpft, der zur Arbeit in unser Land gekommen ist. Daraus läßt sich für die Vergangenheit und auch für die Zukunft lernen. J. Baratz, 1921 Auf der Chaussee ... i. Ich sitze auf einem Steinhaufen und klopfe Steine. Vor mir und hinter mir reiten auf Steinhaufen Steinklopfer wie ich, und wir alle sind der Arbeit hingegeben. In der Stille des Morgens hört man nur das Schlagen der Hämmer auf dem Stein, eintönige Laute, die sich einander jagen. Wir sind im Emek. Ringsum Berge. Zu beiden Seiten der Chaussee grünende Felder. Oben blauer Himmel. Kein Passant. Ich arbeite hier nur wenige Tage. Meine Hände sind bereits wund und die rechte Hand, die den Hämmer führt, ist müde.. Steinsplitter spritzen ins Gesicht, auf die Hände. Es ist heiß. Sehnsüchtig erwarte ich die Zeit des Mittagessens. Ich hebe den Kopf, um die Sonne zu betrachten und die Tageszeit festzustellen und mein Blick fällt auf ein junges Mädchen, das mir gegenüber auf ihrem Steinhaufen sitzt. Ihr Steinhaufen ist dreimal größer als meiner. Ich fühle mein Gesicht erröten, ich hebe meinen Hammer und laß ihn herab, auf — ab, auf — ab,, und sehe mit Freude, daß mein Steinhaufen langsam immer größer wird. Meine Arbeitsgenossin ist sehr jung, beinahe ein Kind. Ihren Kopf hat sie in ein rotes Tuch mit weißen Tupfen eingehüllt, ihre Nase ist etwas nach oben gestülpt, ihre Augen sind groß und unschuldig, und während sie remeh härten Stein zerschlägt, beißt sie auf ihre untere Lippe. 85