Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 84 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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einem persischen Effendi gehörte, und einzelne bewässerte Oliven in Zemach und Abadiah1). Alle unsere Pflanzungen waren also eine Art Versuchsstation. Wenn v/ir noch die Dürftigkeit unserer praktischen Erfahrung in diesem Fach in Rechnung stellen, so wird es leicht verständlich, wie viele Fehler die Pflanzungen von Daganiah von vornherein über sich ergehen lassen mußten. Und trotzdem gedieh schließlich ein Teil von ihnen ganz ordentlich und befindet sich in gutem Zustand. Wir können daraus die große Bedeutung der Ausdauer in der Arbeit der Wirtschaft und ihrer Entwicklung ersehen. Um ein Haar waren wir zum Ausreißen gekommen, zum gründlichen Ausreißen! Zum Ausreißen der Fruchtbäume, zum Ausreißen des Pardes, da die ersten Jahre ihres Wachstums sehr schwer waren. Die meisten Bäume litten sehr unter dem vielen Kalk in unserer Erde und zeigten eine Art besonderer „Gelbsucht", Chlorose, die auch auf uns den Geist einer schrecklichen Gelbsucht ruhen ließ. Schließlich erschien die bekannte Heuschrecke, die die jungen Bäume bis . auf den Stamm abfraß, so daß es schien, als ob unser Garten dem Untergange geweiht sei. Man muß noch hinzufügen, daß die Pflanzungen, trotz unserer seelischen Beziehung zum Pflanzen selbst, stets als Stiefkind in der Wirtschaft gälten. Nur als es keine Arbeit im Getreidebau £ab, machten wir uns an die Bearbeitung des Weinbergs, und selbstverständlich kam uns dadurch die Bearbeitung sehr teuer zu stehen. II. Und wiederum wurde dieselbe Ursache uns zum Verhängnis: der Mangel einer organischen Verbindung mit dem Boden und seinen Pflanzen. „Zum Hauran! Zum Hauran! Laßt uns neue Orte erobern und neue Kolonisationspunkte schaffen!" Dieser Ruf herrschte in; einer gewissen Periode innerhalb unserer Kwuzah, und gering war während all dieser Jahre die Zahl der Chawerim, die Daganiah als ihren Wohnsitz für Generationen ansahen. ,,Wir haben einen Kolonisationspunkt geschaffen, jetzt werden wir ihn anderen übergeben und wir selbst werden neue bauen", so dachten viele. Mangel an Seßhaftigkeit, Mangel an Ausdauer herrschen bei uns überall. Kleine und unwichtige Dinge, irgendwelche Unstimmigkeiten werden bei uns „zugespitzte Beziehungen" genannt und um ihretwillen verlassen Chawerim die Kwuzah. Wenn eine Saat nicht gedeiht, beschließt man sofort, daß der Ort für ihre Aufnahme ungeeignet sei; ein Baum, der nicht über Nacht aufschießt, wird zum Ausreißen verurteilt. Uebereilung in kleinen und in großen Dingen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß die paar Pflanzungen uns nicht wenig zu größerer Beständigkeit in unseren Beziehungen zueinander veranlaßten. Die riesigen Johännisbrotbäume vermögen jegliche Verstimmung fernzuhalten, uns alle zusammenzukoppeln. Zeugen sind sie unseres Fortschritts an diesem Orte. Als wir nach ,,Bab Atum"2) kamen, war sein x) Arabische Dörfer in der Nähe Daganiahs. 2) „MundÖffnung." So wurde dieses Landstück von den Arabern genahnt, weil sich hier der Ausfluß des Jordans aus dem Kinnerethsee befindet, 84