Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 83 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach Juda war mir Sedjera, was mir Petach Tikwah nach der Galuth war. Hier fand ich Erez JisraeL Die Natur, die Menschen, die Arbeit waren hier ganz anders. Die Berge schließen hier die Kolonie von allen Seiten ein. Im Osten, aus den Fernen Transjordaniens, sind die Berge Gileads und Basans, blau verhüllt, sichtbar; im Westen, auf der Grenze der Kolonie, lagern die grünlichen Berge Nazareths; nordöstlich erhebt sich der Hermon mit seinem Schneegipfel und südlich ragt der Taborberg einsam in die Höhe. Die Häuser der Kolonie sind am Abhang in zwei übereinanderliegenden Reihen gebaut, von Eukalyptushainen und Pfefferbäumen umgeben. Oben auf dem Hügel, zwischen den Felsen, ist die Farm angelegt. Sedjera war in zwei Teile geteilt: die Bewohner der Farm — Beamtenschaft und Arbeiter — wohnten oben auf dem Hügel, die Bewohner des Dorfes, die Bauern, unten am Abhang. Es war jedoch ein Bund des Friedens und der Freundschaft geschlossen zwischen den unteren und oberen Bewohnern. Beinahe alle Bauern waren ehemals Arbeiter in der Farm, und nachdem sie als Bauern angesiedelt worden waren, arbeiteten sie mit eigenen Händen weiter. Und wir, die Arbeiter, trafen mit ihnen stets, im Felde und zu Hause, zur Zeit der Arbeit und zur Zeit der Ruhe, zusammen. Hier war keine Spur von jener Kluft, die in Judäa Bauern und Arbeiter trennte. Am Sabbat und am Feiertage pflegten wir zusammenzukommen und gemeinsam Freudenfeste zu feiern, und an den Werktagen begegneten wir uns im Felde, einer neben dem andern pflügend und uns gegenseitig helfend und unterstützend. Alle arbeiten hier und leben von ihrer Hände Mühe. Die Männer pflügen, eggen und säen; die Frauen arbeiten im Gärtchen und melken die Kühe; die Kinder weiden die Gänseherden auf der Tenne, reiten auf Pferden und ihre Gesichter sind sonnenverbrannt. Dorfkinder sind es. D. Bin-Gorion, 1921. Daganiah i. In den Kolonien des unteren Galil war alles öde und trocken: die Berge gelb, da kein Gras wuchs, und die Kolonien nackt, ohne Baum und Strauch. Diesen Mangel des Galil wollten wir in Daganiah gutmachen. Die Gebäude waren noch nicht vollendet, da hoben wir schon Gruben aus für Pflanzungen. Wir pflanzten nach jeder Seite hin Alleen von Zierbäumen, Cypressen- und Pfefferbaumalleen. Dann begannen wir Fruchtbäume zu pflanzen, natürlich ohne jede Rechnung, ohne jede prakitsch-kaufmännische Perspektive. „Wer ist ein Bauer? Der alles selbst hat." Und in der Tat, wir pflanzten alle Sorten; Orangen, Zitronen, Mandeln, Oliven, Wein, Aepfel, Birnen, Quitten, Feigen, Johannisbrot und Pfirsiche — es sollte nichts fehlen! Wir pflanzten, ohne zu wissen, was gedeihen, was einträglich sein kann. Es war nichts vorhanden, woran wir ein Vorbild nehmen, niemand, von dem wir lernen konnten. Im ganzen Jordantal fanden wir nur einen Pardes jenseits des Kinnerethsees, einen sehr traurigen Pardes, der 83