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Der junge Jude · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 82

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 82 (sequence 12)
Language
German
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Diese, wenn es auch wenige sind, werden wirklich das Leben der Nation vor dem Untergange retten. Für sie, für diese Wenigen, muß man die Wahrheit sagen, muß sie immer wieder sagen und in jeder Sprache, die du sprichst. A. D. Gordon, 1911. Sedjera Zuerst schien uns alles neu, palästinensisch; aber als der Rausch der ersten Begeisterung geflohen war, stieß unser Blick auf ein altes Bild, das uns aus dem neuen Rahmen entgegenschaute — das Bild der Galuth. Der Himmel war neu — der Himmel Palästinas, die Erde war neu — die Erde der Heimat. Aber die Menschen, die Kolonisten, waren Galuthmenschen mit Galuthtaten. Wie wir, waren auch sie in ihrer Jugend mit Träumen von der Erlösung und mit dem Streben nach Eroberung der Arbeit hierhergekommen. Aber schon lange ist es her, daß die Feiertagsseele ihnen entflohen und nur die Wochentagsseele geblieben ist, und das Schaffen der Heimat wurde von ihnen durch fremde Arbeit entweiht. Wir erklärten den Bauern Kampf, die die Rechnung ihrer Tasche machen und die Grundlagen der Erneuerung zerstören, und sie vermochten uns nicht ins Gesicht zu sehen. Wie ein lebender Protest, wie Mahner der Sünde waren wir in ihren Augen, und sie verhielten sich zu uns mit verhaltenem Haß und offenem Spott. Zwischen den alten Bauern und den neuen Arbeitern tat sich eine tiefe Kluft auf. Auch die Arbeit selbst, das ewige Aufreißen des Bodens mit dem Karst, befriedigte mich nicht. Das war zu mechanisch und eintönig. Ich fühlte ein ungestilltes Verlangen, sehnte mich nach Feldesweite und Getreidewogen — und beschloß, ins Galil zu gehen. Ich kam nach Sedjera. In jenen Tagen war die jüdische Kolonisation im Galil noch in ihren Anfängen. Das Netz der Kolonien und Farmen im Gebiet von Tiberias war damals noch nicht vorhanden. Auf dem Kinnereth-Boden lagerten die Beduinen des Scheichs Isa, in Migdal hatten sich gerade die Deutschen angesiedelt; Sarona — das alte Saron und das neue Ramah — war noch im Besitze des Said Bek; die Hügel Poriahs und Mizpahs standen noch öde, und im ganzen Emek Jesreel war noch kein jüdischer Pflüger sichtbar. Nur vier unansehnliche und schwache Kolonien bestanden: Milchamia, Jawneel, Kfar Tabor (Mescha) und Sedjera. Die letztere war zu jener Zeit das Zentrum der jüdischen Kolonisation im unteren Galil. Diese Kolonie war die Mutter unseres jungen Jischuws. Hier begann die Neukolonisation von arbeitenden und nicht arbeitgebenden Bauern. Hier wurde der erste Versuch einer kooperativen Arbeitskwuzah, „Kollektiv" benannt, gemacht; hier wurde der „Hachoresch" („Der Pflüger"} gegründet, hier spann sich die Idee der jüdischen Wacht an und hier, auf einem der grünen Hügel, wurden die ersten Gräber für die auf der Wacht Gefallenen gegraben. 82

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