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Der junge Jude · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 81

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 81 (sequence 11)
Language
German
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er muß erkennen und wissen, daß derjenige, der den einen gewählt hat, niemals auf dem andern gehen wird. Die Gallith ist ewig Galuth, und in Palästina nicht weniger als anderswo. Und wer die Erneuerung will, muß das Galuthleben von sich abwerfen. Das will nicht besagen, daß, wer das Leben der Nation in der Zukunft will, sich selbst in der Gegenwart töten muß. Nein. Gerade er muß Leben wünschen, aber auf andere Weise wünschen, ein anderes Leben wünschen. — Um dies zu erklären, will ich ein sinnfälliges, scheinbar veraltetes, aber in Wahrheit noch sehr treffendes Bild gebrauchen. Für einen Liebenden ist ein trockenes Stück Brot und ein ärmliches Zelt in Gesellschaft seiner Geliebten lieber als Königspalaste und ein Leben der Genüsse ohne sie. Natürlich wünscht auch er Weite des Lebens und dessen Annehmlichkeiten, aber unter der Bedingung, daß seine Geliebte mit ihm sei. Wer ihn von seiner Geliebten fernhält, hält ihn von seinem Leben fern. Und so ist es auch mit nationaler oder geistiger Liebe. Wer in Wahrheit und mit reinem Herzen Erneuerung wünscht, wird in Palästina ein Leben wünschen, dem der Stempel wahrer Erneuerung aufgedrückt ist, gleichgültig, ob es ein gutes und bequemes Leben ist oder selbst ein Leben, wie das des jüdischen Arbeiters jetzt; und alles, was diesen Stempel nicht trägt, ist ihm ein Gräuel. Der Weg, der uns zu unserer Erneuerung führt, ist der Weg der Arbeit, der körperlichen Arbeit, geradezu der Weg der Hingegebenheit an unsere Idee und unsere Arbeit, und, wo es notwendig ist, der Aufopferung für unsere Idee und unsere Arbeit. Tausende von Kuschanen (Bodenbesitzscheinen) werden uns keinen nationalen Besitz schaffen, wie ihn alle, oder beinahe alle Kuschane nicht geschaffen haben, die wir bis jetzt besitzen. Richtig genommen haben wir bis heute keinen nationalen Besitz, denn das Volk hat keinen Besitz verdient. Kein Volk verdient seinen Boden, außer durch Selbstarbeit und durch Investierung seiner körperlichen und geistigen Kräfte. Das Volk geht dem Lande voran. Ein parasitäres Volk ist kein lebendes Volk. Wenn jeder von uns sich selbst zu einem neuen Wesen durch Arbeit und natürliches Leben umschafft, dann wird das Volk wieder auferstehen. Und wenn uns diese Umschaffung nicht vollkommen gelingt, so werden unsere Kinder oder die nach uns Kommenden auf diesem Wege gehen und sich vervollkommnen. Dann werden wir im Laufe der Zeit gute Bauern, gute Arbeiter, gute Juden und gute Menschen haben. Aber wenn wir uns hier im Galuthleben vervollkommnen, auf dem Wege des Schacherns samt alledem, was dazugehört, so werden unsere Kinder und die nach uns Kommenden sich noch mehr auf diesem Wege vervollkommnen. Schwer ist der Weg der Erneuerung, sehr schwer. Aber einen andern Weg gibt es nicht. Man könnte sagen: Deine Worte sind vielleicht gut für Einzelne, aber nicht für die Allgemeinheit. Richtig, ich wende mich an Einzelne. Bei jedem großen Bau legt man starke Steine als Grund, die den ganzen Bau zu halten vermögen. Die Masse, die Allgemeinheit möge später kommen. Sowieso kommen ja nur Einzelne nach Erez Jisrael. Besser ist es also für uns, daß die guten Einzelnen kommen. 81

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