Mannheim
Compact Memory

Der junge Jude · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 79 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3497353-3497354-3497357--089-3497450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Er aber, der Jude, ist er nicht indes durch Niedrigkeit und Verworfenheit gegangen? Hat er nicht in der Hölle des Unrats als gelehriger Lehrling gestanden und gelernt, daß man die Güter der Erde verkaufen und kaufen könne? Verkaufen und kaufen auch dieses Land der Länder, sein Land?! Eroberung durch die Waffe: ein kühner Wahn. Aber Eroberung durch das Geld: ein elender Trug. Und sind sie diesem Trug nicht verfallen, die Juden, die hingingen und die Erde Kanaans kauften und sie durch Fremde bebauen ließen, selber aber großtaten und sich Besitzende dünkten, da sie nur Ausnützende waren? Wohl, ihnen stehen die anderen gegenüber, die Echten, die Redlichen, die Entschlossenen, die wußten und bestätigten, daß man für diese Erde in Wahrheit mit keiner andern Münze zahlen kann als mit lebenslanger Arbeit unter Einsatz der ganzen Person. Die Jungen, die Pioniere, die in Wahrheit die Eroberung Palästinas begonnen haben. Aber wie wird es sein, wenn uns Breiteres zu wagen gewährt wird? Wie gar, wenn die „Möglichkeiten" des Landes entdeckt werden? Wenn allerlei Leute von jenen, die nur nach ,»Unternehmen" wittern, sich herbeilassen werden, aus dem ganzen Lande ein großes Unternehmen nach dem Muster der erfolgreichsten europäischen und amerikanischen zu machen? Sie, die unfähig sind die wahre Eroberung zu kennen und zu wollen, denen es genug ist an der Einnahme, der Einnahme durch das Geld; sie, die dem Haben gern alles Sein und Werden (diese Ideologien!) zum Opfer bringen7 Wenn sie über das Land geraten — wie wollen wir diesem heillosen Segen begegnen: dieser sonderlichen Heuschreckenschar, die überall, wo sie sich niederläßt, „Werte" und nichts als Werte erzeugt? Wie wollen wir der drohenden Tyrannei der sinnlosen, seelenlosen, leblosen Werte, die das Abendland (und vom Morgenland alles, was mitzumachen gelernt hat) dahin gebracht hat, wo es heute ist, dort, in Zion begegnen? Nicht anders, als indem wir die Diktatur des schöpferischen Geistes aufrichten, dem sich alle Macht und Herrlichkeit der „privaten Initiative" zu beugen, dem sie zu gehorchen hat. Des schöpferischen Geistes, der all der selbstsicheren Triebkraft des „wirtschaftlichen Aufschwungs" seine Gesetze diktieren wird. Deren erstes heißt: Gemeinschaft; dessen Niederschrift hat begonnen in der Grundsatzung des jüdischen Nationalfonds, dem monumentum aere perennius der zionistischen Bewegung. Und deren zweites heißt: Arbeit; dessen Niederschrift hat noch nicht begonnen, es sei denn, man rechne dafür einige Proteste und einige Grabsteine da drüben. * Arbeit; das ist nicht Betriebsamkeit. Das ist Werk des Leibes und der Seele, Einsatz der ganzen Person. Das ist Liebeswirkung, fruchtbare Tat, Eroberung. In alten, starken Zeiten raubte man sich die Braut. In späteren, schwächeren, kaufte man sie. Aber noch einmal sei es gesagt, ob man sie raubt oder kauft, oder sonst irgendwie bekommt, dieses Haben lügt; die wahre Werbung, Erwerbung muß erst danach beginnen. 79

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.