Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 78 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben der Ehre, ein Werk der Tapferkeit und Hingabe aus der Erkenntnis, daß es keinen Ausweg gibt. Das ist die höchste Erkenntnis, die unsere Arbeit in den letzten Jahren begleitet. Und in diesem Augenblick rufen wir allen unseren Brüdern, allen den Jungen, die sich der Bewegung der Tat angeschlossen haben, unseren Brüdern in Rußland und an jedem andern Orte zu, daß sich nichts bei uns geändert hat, daß wir auf unserem Platze stehen und daß wir keinen andern Ausweg haben. Hier leben wir, hier sterben wir, denn einen andern Platz gibt es für uns nicht. Aus der Hechaluz-Jubiläumsnummer des „Dawar11 übersetzt von Max Meyer. MARTIN BUBER: DIE EROBERUNG PALÄSTINAS Als man mir sagte, die Engländer hätten Judäa erobert, habe ich es nicht geglaubt. Ich bin gesonnen, es nicht zu glauben. Wenn ich in der Zeit gelebt hätte, da die Türken Palästina einnahmen, würde ich der Kunde, sie hätten es erobert, ebenso geringen Glauben geschenkt haben. Dieses Land vermag mit der Waffe wohl eingenommen, aber nicht erobert — besetzt, aber nicht besessen zu werden. „Erobern" — wenn das Wort einen rechtmäßigen Sinn hat, so ist es dieser: ein Wesen oder ein Ding so zuinnerst bewältigen, daß es einem wahrhaft vollkommen zu eigen wird und fürderhin keines andern sein kann. Somit kann eine kriegerische Handlung bestenfalls der Anfang einer Eroberung sein. Liebeswirkung muß vollenden, was Gewaltwirkung begann; fruchtbare Tat muß zur Gestalt meißeln, was räuberische Tat aus dem Gestein hieb. Sonst ist die kriegerische Handlung vertan, starr und lastend liegt das Eingenommene in den Armen des Zwingherrn, nie wird er es besitzen. Und dieses Land der Länder — wer, der von seinem Geheimnis weiß, wüßte es nicht unwiderlegbar, daß der Engländer in all seiner Freiheit und Kraft es ebenso wenig zu erwecken vermag wie es der Türke vermochte? Daß keiner das vermag als der Eine, der einst ihm den Gürtel löste und es in Liebe gewann —der einst aus dem Monolith dieses Landes die Wohnung des Unsichtbaren erbaute? Er verlor es — als er es nicht mehr zuinnerst zu halten verstand; aber er hat es nicht für ewig verloren, da es immer noch seiner und keines andern harrt: weil es nur von ihm zum Leben aufgerufen und zur Gestalt gebildet werden kann. * Seiner und keines andern. Aber eben nicht, daß er es an seine Brust ziehe und sage: Mein bist du! — sondern daß es sich ihm ergebe mit aller Kraft des Leibes und der Seele, allem Werk des Leibes und der Seele, um es zur wahren Wohnung des Unsichtbaren zu vollenden. 78