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Der junge Jude · 1928-01-01 · Heft 2 (Januar 1928) · p. Seite 69

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 69 (sequence 31)
Language
German
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man gerade in Berger auf einen dem Bunde sehr nahestehenden Menschen zu treffen geglaubt hatte. Die Menschen des J. J.W.B, fordern nicht allein eine sozialistische Gesellschaft und suchen diese Forderung durch taktische Mittel zu erreichen, sondern sie setzen, wenn sie vom Bunde voll erfaßt sind, für sich selbst auch diese Forderung in die Tat um, sie nehmen in der Hachscharah eine völlig proletarische Lebensführung an. Besonders vollständig geschieht dies in der landwirtschaftlichen Hachscharah. Gleichzeitig treten an Stelle der Begriffe des Bürgertums überall andere Auffassungen, die bei jeder Berührung mit denen der bürgerlichen Gesellschaft kollidieren. Ein solcher völlig verwandelter Mensch, verwandelt durch einen viele Jahre dauernden Prozeß, kann unter keinen Umständen in die bürgerliche Gesellschaft zurück. Proletarier in Deutschland zu sein, ist, wie Berger selbst zugab, für unsere Menschen eine Unmöglichkeit. So ergibt sich klar und deutlich der einzig mögliche Aspekt, unter dem ein J.J.W.B.er auf Hachscharah gehen und diesen Proletarisierungsprozeß auf sich nehmen kann, mit der absoluten Gewißheit nach Palästina zu kommen. Es kann viele Jahre dauern, bis er hinüberkommt, aber die Tatsache des Hinübergehens muß absolute Voraussetzung sein. Auch die Chaluzim sind nur Menschen, die ihren Teil am Glück haben wollen, und man muß als solche mit ihnen rechnen. „Und", so sagte ein Chawer in der Diskussion, „wenn wir mit der absoluten Gewißheit nach Palästina zu kommen auf Hachscharah gehen, dann werden wir hinüberkommen." Dies waren die Ansichten, die Berger entgegengehalten wurden. Die Gedanken Bergers, die stark an das Schicksal des Einzelnen rührten, beunruhigten die Menschen der Tagung, sie führten aber auch mit zur Bildung einer geistigen Gemeinsamkeit, die vorher Kurt Bondy schon wirksam vorbereitet hatte. Immer wieder betonte Bondy, daß Grundbedingung für jede erfolgreiche Pädagogik die Gemeinschaft ist, der enge Kontakt zwischen Erzieher und Erzogenen. Er sprach dann über sexuelle Fragen in der Erziehung und gab Anlaß zu einer Diskussion, die sich bis spät in die Nacht hinein ausdehnte. In dieser Diskussion kamen sich zum ersten Male die Menschen, die vor der Tagung einander zum größten Teile fremd gewesen waren, um vieles näher. Man hatte den Eindruck, je weiter die Stunde vorrückte, daß hier Menschen bei vielen Fragen weiter aus sich herausgingen, als sie es bis dahin jemals getan hatten. — Bondy schuf damit die Basis zu einer pädagogischen Arbeitsgemeinschaft, die die ganze Tagung hindurch fortgesetzt wurde. Man unterhielt sich hier über die Ausgestaltung von Heimabenden, Fahrten und umriß in großen Zügen die Gesamtentwicklung eines J.J.W.B.ers, wie sie erstrebt wird. Am letzten Tage hielt Naphtali ein Referat über die Entwicklung des Sozialismus. Als wir dann am Sonntag nachmittag unser Haus und den Wald um unser Haus verließen, und jeder schon im Vorgefühle seiner Alltagsarbeit, und doch noch im Zusammenhang mit den Chawerim, zum Bahnhof zog, wußten wir, daß wir in Zossen den Anfang eines gemeinsam gelebten Stück Lebens zurückgelassen hatten. A. S. JÜNGERENLAGER DES J.J.W.B. 1927 Es ist schwer, über eine Sache, die man selbst intensiv miterlebte, einen „objektiven" Bericht zu geben. Jedoch ist klares Erkennen auch der begangenen Fehler notwendig, wenn wir in unserer Arbeit weiterkommen wollen. — Wir hatten sehr günstige äußere Umstände: eine große Jugendherberge mit freundlichen Räumen, großer Turnhalle — sehr schöne bewaldete Umgebung — Nähe des Edersees — Spielplätze, Licht- und Luftbad, — kurz alles, was man sich wünschen kann — bloß wenig Geld 69

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