Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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dazu. — Es war das erste Jüngerenlager, das der Gesamtbund veranstaltete. Seine Vorgänger waren Lager einzelner Agudoth. — Wir waren 55 Chawerim und Chaweroth, darunter acht „Aeltere", mehr als die Hälfte der Teilnehmer aus Berlin, ferner aus Dessau, Leipzig u. a. Orten. Die Zeit war uns kurz bemessen — 12 Tage. Gleich zu Anfang bemerkten wir einen großen Fehler in der Vorbereitung; daß wir die Kinder für's Lager nicht ausgewählt", sondern jedem die Teilnahme freigestellt haben. Die kurze Lagerdauer ermöglichte es nicht, z. B. schwer erziehbare Kinder so weit zu beeinflussen, daß sie sich in das Gemeinschaftsleben einfügen. Was die Gruppe bisher versäumt, kann nicht in 2 Wochen nachgeholt werden. Was uns alle überraschte, war das schnelle Zusammenwachsen des Lagers zu einem Ganzen. Möglich, daß neben den erotischen Kräften jeder Jugend, hier auch der starke Rhythmus des gemeinsamen täglichen Turnens, Spiels und der Arbeit wirkte. Das Lager war sehr stark auf körperliche Erziehung eingestellt: tägliches Turnen, Ballspiel, Sonnenbäder,Schwimmen, Fahrten usw. absorbierten fast den ganzen Tag. Für „Tarbuth-Arbeit" reservierten wir mit Absicht wenig Zeit, denn erstens kann die pädagogische Wirkung viel eher durch das Zusammenleben in Arbeit und Spiel ausgehen als durch Heimabende, zweitens kann es nichts Schöneres geben, als Großstadtkinder — und speziell jüdische Großstadtkinder — in Licht und Luft herumtollen zu lassen. — Nur wo es sich als ganz klares Bedürfnis herausstellte, wie an den beiden Freitagabenden, die wir sehr festlich feierten oder bei Erscheinen des Jüngerenchosers oder vor der Fahrt zur Edertalsperre, kamen wir zur Aussprache zusammen. Der erste Freitagabend mit seinem Kerzenglanz, Blumen und festlich gekleideten Kindern, sah auch eine kleine Geburtstagsfeier für 2 Chawerim unseres Lagers. — Wir hofften ursprünglich, daß dieses Lager sich auf der Selbstverwaltung der Kinder aufbauen würde. Vielleicht wäre es auch durchzuführen gewesen, wenn wir vorher eine Auswahl der Kinder getroffen hätten. So war doch alles unter der Anleitung der Aelteren, wenn auch im Lauf der Zeit die Kinder in der Arbeit und auch sonst selbständiger wurden und auch immer mehr das Wort bei den täglichen „Morgenansprachen", in der alle Angelegenheiten des Lagers besprochen wurden, nahmen. Ein längere Dauer des Lagers hätte auch in diesem Punkte andere Möglichkeiten geschaffen. — Die Arbeit machte den Kindern großes Vergnügen. Wie oft wünschten wir uns alle einen Garten oder sonstwie die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Halbtagsarbeit, — Das Lied hatte bei uns sehr wichtige Funktionen, als Gesang und auch als Ausdruck des „Massenwillens" bei verspätetem Essen . . . Jedoch bemerkte ich, daß die meisten Kinder dem Klavierspiel gar kein Verständnis entgegen brachten. Auch fehlte ihnen das Gefühl des „Rhythmus" und erst nach Uebung lernten sie es, Marsch und Marschlied als Einheit zu empfinden. Noch auf eines will ich hinweisen: die fehlende Gemeinschaftserziehung bei einigen Kindern. So kam es z. B. vor, daß einige Kinder, die nicht schlafen konnten, rücksichtslos den ganzenSchlafsaal in Unruhe versetzten. Hier muß unsere Erziehung einsetzen, nicht mit Mitteln äußerer ..Disziplin" — die im Grunde dem Arsenal der alten Schule entnommen sind —, sondern der geistigen Beeinflussung. — Fügen wir noch hinzu, daß wir es unterlassen haben, eine gute Lagerbibliothek mitzunehmen und daß das Essen aus Mangel an Chaweroth, die gut kochen konnten — (kein Kompliment für die Chaweroth des Bundes, die gut kochen können) —, so hätten wir die ganze Reihe der Fehler und Schwierigkeiten aufgezählt. Das Lager war meiner Ansicht nach ein Erfolg unserer Bundesarbeit. Die Kinder bekamen stärkere Bindung mit- 70