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Der junge Jude · 1928-01-01 · Heft 2 (Januar 1928) · p. Seite 68

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 68 (sequence 30)
Language
German
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macht und der Idee wirklich Macht über sein Leben gibt, daß man dann, daß wir dann im Zionismus eher zu unserer Tat kommen als im Kommunismus, daß wir so durch aktivste Teilnahme in der uns gemäßen Form eher der List des Bürgertums entgehen also sonst. Und auch in der KP. wird es manchmal schwer sein, durch die Kleinarbeit des Zettelverteilens, des im Demonstrationszuge Mitschreitens, den letzten Sinn gegenwärtig zu haben, den Du im Augenblick im Zionismus nicht gültig erkennen zu können glaubst, den wir aber, vielleicht betroffen von der klaren Rechtfertigung der kommunistischen Bewegung durch ihre Massen und durch ihr Programm dem Kommunismus immer zubilligen — und mit Recht zubilligen. Jede Bewegung, die gegen Ausbeutung und für Brot kämpft, gewinnt unsere Sympathie. Aber die Not unseres Volkes schreitet — wenigstens hier bei uns im Westen — nicht so sichtbar durch die Straßen. Wir aber müssen diese Not dennoch spüren und müssen uns von dem Galuth-Minderwertigkeitsgefühl befreien, daß einzig und allein die Befreiung unseres Volkes der Völkerbefreiung entgegengesetzt sein soll, während sonst überall gerade die Idee der Befreiung der unterdrückten Völker die Urkräfte für den Sozialismus aufruft und auslöst. FÜHRERKURS DES J. J. W. B. IN ZOSSEN Führerkurs des J.J.W.B, in Zossen! Vorher Führertagung in Berlin, in engen, uberfüllten und stickigen Räumen. Und so die ganze Atmosphäre: eng, fast bedrückend. Und jetzt in einem Jugendheim, in einem fast allzugroßen Hause, in einer Luft, die gar nichts mehr von Berlin an sich hatte. Da löst sich aller Zwang. Menschen sind zusammengekommen aus allen Bünden des Reiches, Menschen, die sich nicht kannten und hier einander bald näherkommen werden. Sie wollen gemeinsam neues Wissen aufnehmen, wollen gemeinsam über ihre Arbeit sprechen. Wissen und Arbeit des Bundes! Zweifellos wurde den Führern in diesem Jahre viel weniger Wissen gegeben als in Lehnitz. Man stellte den Referenten Themen, die weniger Stoffliches bringen, als Grundlage zu Diskussionen bilden konnten. Dies hängt eng mit der Lage in Palästina zusammen. Seit Jahren erstrebt der Bund die größtmöglichste Palästinanähe, sucht eine Atmosphäre zu schaffen, innerhalb deren die Probleme der palästinensischen Arbeiterschaft mit Notwendigkeit stets auch die des Bundeslebens sein müssen. So standen begreiflicherweise im Mittelpunkt der Tagung das Referat von Blumenfeld, der über „Zionistische Gegenwartsfragen" sprach und Bergers Referat „Chaluziuth und Zionismus". Ueber das Referat von Blumenfeld berichtet der in dieser Nummer erscheinende Aufsatz. Blumenfeld streifte nur die Frage: was geschieht mit den Zionisten, die infolge der ungünstigen Situation nicht nach Palästina gehen können. Diese Frage bildete den Hauptgegenstand des Bergerschen Referates, oder wurde jedenfalls von den Zuhörern als der wichtigste Gedanke seiner Ausführungen empfunden. Zionist sein, sagt Berger, heißt: sich dem jüdischen Volke verbunden fühlen. Dieses jüdische Volk existiert, es ist stets vorhanden, auch unabhängig von Palästina; und also ist auch das Gefühl der Verbundenheit mit dem jüdischen Volke, der Zionismus, unabhängig von Palästina und von der jeweiligen Situation des Landes. Diese Unabhängigkeit — und hier stieß Berger auf heftigen Widerspruch — geht so weit, daß der wahre Zionist auch damit rechnen muß, evtl. nicht nach Palästina zu gehen, wenn nämlich das Land den Menschen nicht braucht. Er muß dann hier als Zionist wirken, in der Organisation, in den jüdischen Gemeinden, — andere Möglichkeiten der Betätigung für diese Menschen wußte Berger nicht anzugeben. Hier, wie schon gesagt, wurde ihm von vielen Seiten widersprochen. Es standen sich zwei grundverschiedene Lebensanschauungen gegenüber, die besonders hart aufeinander stießen, weil 68

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