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Der junge Jude · 1928-01-01 · Heft 2 (Januar 1928) · p. Seite 66

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 66 (sequence 28)
Language
German
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gab immerhin folgende Ratschläge: das Kind soll staunen lernen: immer u. immer wieder soll es sich die Welt neu erschaffen, jeder Gegenstand muß ihm wieder und wieder zum Wunder werden; es soll außerdem lernen, sich die Menschen und die Dinge zu vergegenwärtigen, d.h. es soll zuerst versuchen, sich in den andern hineinzudenken und dann — gleichsam von diesem aus — mit ihm zu sprechen; es soll ferner allen Situationen standhalten und schließlich soll das Kind lernen, wirklich etwas zu tun, sich tatsächlich mit Mühe und Treue einer Arbeit hinzugeben und nicht nur darüber zu reden. Und auf die besorgte Frage: wie erziehe ich das Kind dem Judentum? meinte Buber, daß es Hebräisch lernen und die Bibel, dieses vielschaiige Buch, kennenlernen muß. Das Wesentliche dieses Abends, an dem dank der lebendigen geistigen Mitte, verkörpert in Buber, ein aufrüttelndes Gespräch über Grundfragen jüdischen Lebens entstand, das in den Teilnehmern weit über die Stunde hinaus wirken wird, das läßt sich natürlich nicht wiedergeben. Man fragt sich aber beim Anblick der im Kampf um die Dinge des Tages hartgegürteten Jugend unserer Tage, die innerlich geschlossen, im Bewußtsein ihrer Kraft, fest und sicher in das Leben hineinwandert, ob sie auch um den Geist aller Dinge weiß: um die Antwort des Menschen an jenes „einsame Angesicht sternhaft im Dunkel"? Hilde Ottenheimer. EIN BRIEF Ich habe nun Deinen Brief, in dem Du mir mitteilst, daß Du nicht mehr im Bunde sein willst, und da ich noch nicht sicher weiß, wann ich mit Dir werde sprechen können, will ich Dir heute zu Deinem Briefe schreiben. Ich will es in anderer Weise tun, als man es sonst vielleicht tut, ich will nicht vom englischen Imperialismus und dem Jahrtausende alten Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina sprechen, sondern ich will einmal versuchen, Dir so zu schreiben, als ob wir beide zusammen Deinen Schritt nochmals zu überlegen hätten. Und da ist die Sache doch so. Du glaubst nicht, daß Palästina die Lösung der Judenfrage weder wirtschaftlich noch kulturell bringen wird. Machst Du, wenn Du Dich jetzt zur KP. wendest, nicht den Fehler, daß Du vergleichst zwischen einer Wirklichkeit wie Palästina und einer Bewegung, als die sich der Kommunismus darstellt? Wir vergleichen viel zu selten Rußland mit Palästina, wir vergleichen immer zwischen dem Kommunismus und Palästina. Wir prüfen die Zustände innerhalb der kommunistischen Bewegung selten auf ihre Uebereinstimmung mit einem kommunistischen Ideal hin, sondern verlangen eine solche Uebereinstimmung von Palästina. Niemand verlangt von dem Kommunismus, daß er in den 10 Jahren seiner Existenz nach der russischen Revolution das soziale Problem in der Welt gelöst habe, während Du die Lösung der Judenfrage innerhalb der 10 Jahre nach der Balfour-Deklaration vom Zionismus verlangst — oder wenn Du das bestreiten wirst — dem Zionismus eine negative Prognose auf alle Fälle heute zu stellen Dich entschließt, während zweifellos der kommunistische Gedanke außerhalb Rußlands überall an Durchschlagskraft abgenommen hat, denke nur an in dieser Beziehung so wichtige Länder wie England und Deutschland und vor allen Dingen Deutsch-Oesterreich, wo es nur deshalb keine kommunistische Bewegung gibt, weil die Sozialdemokratie eine klare Stellung einnimmt. Ich weiß nicht, in welcher Spanne Du das Kommen der Weltrevolution erwartest, den Sieg des bewaffneten Proletariats über die Bourgeoisie. Oder geht es Dir so wie mir, daß mir der Zeitpunkt des Sieges nicht entscheidend ist für die Zugehörigkeit zu einer Bewegung, daß es für uns genügt, in uns spürbarer Form Glied einer Erneuerungsbewegung zu sein, selbst auf 66

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