Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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der Jugendbewegung eine Verpflichtung zu einem Leben gibt, das möglichst geringen Anteil am Unrecht unserer Gesellschaftsordnung hat. Man war sich aber völlig einig darüber, wie weit und wie dehnbar auch diese Formulierung ist. Alles in allem läßt sich sagen, daß gerade eine Gruppe der Jugendbewegung insoweit doch einen neuen Lebensstil und eine neue Lebenshaltung ausgebildet hat, daß eben nur ein Teil der Ergebnisse des Buches von Lindsey für sie Gültigkeit hat. Einen Versuch der Stellungnahme gegenüber dem tatsächlichen Leben stellte der Bundestag des Aelterenbundes der Kameraden in Dessau dar, dessen Bericht in Form einer Broschüre: „Um jüdische Wirklichkeit" vor einiger Zeit erschienen ist. In dem Bericht ist eine sehr starke Hinwendung vom Ideologischen zum Tatsächlichen festzustellen. Diese Hinwendung tritt innerhalb des Berichtes manchmal noch stärker hervor, als sie vielleicht in Wirklichkeit gewesen ist. Wenn über jüdisches Gemeindeleben, den Preußischen Landesverband, die Liberalen, den C.V. und über die Zionisten in einzelnen Referaten gesprochen wurde, so geschah dies überwiegend unter der Fragestellung, inwieweit diese Organisationen Arbeitsmöglichkeiten für ältere Menschen aus der Jugendbewegung bieten. Nun kann sich eine gemeinsame Bewegung junger Menschen wahrscheinlich immer nur an Zielen entzünden, die auf einer immer wieder ausgesprochenen breiten ideologischen Basis beruhen. Junge Menschen brauchen das Bewußtsein, daß die Arbeit, die sie tun, in irgendeiner, ihnen sichtbaren Beziehung, in einem großen sinnvollen Ganzen steht. Kollektive Bewegungen sind nur dann möglich, wenn die Ziele, die man sich stellt, von eindringlicher Bedeutung für die Gesamtheit sind. Löst man die Tätigkeit aus diesem Gesamtzusammenhang heraus, so erscheint sie nüchtern und kaum mehr des Getanwerdens würdig. Deshalb drängt das Gespräch und die Auseinandersetzung immer wieder zu der ideologischen Grundlegung zurück, denn erst diese gibt allem anderen eine sinnvolle Bedeutung. Das, was in den einzelnen Referaten an rein Tatsächlichem gesagt wird, ist für denjenigen, der dem jüdischen Gemeindeleben ferner steht, sicher von Interesse. Aber der Schwerpunkt des Bundestages lag doch auf der ideologischen Auseinandersetzung. Und auf diese wollen wir kurz eingehen. Zunächst einige Sätze über die Stellungnahme zur zionistischen Bewegung: der Kreis sieht im Zionismus eine „entscheidende Tat der Judenheit und setzt sich für die systematische Unterstützung des Palästinaaufbaues ein". Für sich selbst aber bejaht man freudig die Arbeit an der Zukunft des Judentums hier in Deutschland. „Und im verantwortungsvollen Bewußtsein dieser Aufgaben reichen" sie „dem Zionisten, der einen andern Weg zur Lösung der Judenfrage geht, die Hand". Bedeutungsvoll ist dann eine Abgrenzung gegenüber dem Zionismus in einer Diskussionsäußerung. „Wir setzen auch für unser Schicksal Hoffnung und Erwartung auf das Gelingen des Werkes. Aber bei all dieser Palästinaarbeit ist und kann doch unsere Seele nur herzlich wenig berührt sein — 63