Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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wird ihr kein anderer Teil des Zionismus abnehmen. Erziehung zur Chaiuziuth und Chaluzsein ist jetzt schwerer und verantwortungsvoller als in früheren Jahren. Aber wir betrachten die Zeit der Krise als vorübergehend, und Chaluzbewegung ist für uns d i e Ausdrucksform jeder Verwirklichung des Zionismus. — Die Jugend- und Chaluzbewegung muß jedoch auch in viel stärkerer Weise als bisher in das zionistische Leben der Galuth eingreifen. Zehntausende älterer Chawerim umfaßt der Brith Hanoar und der Hechaluz. Solange sie noch in der Galuth sind, haben sie das Recht und die Pflicht, auch innerzionistisch zu wirken. — Hunderte von Menschen, die in der Jugendbewegung erzogen wurden, gelangen nicht — aus den verschiedensten Gründen — zur Chaiuziuth. Haben sie sich bisher durch ihre Aktivität im zionistischen Leben der Galuth besonders bemerkbar gemacht? Haben sie — die hiergeblieben sind — ihre Pflichten gegenüber ihren Chawerim, die nach Erez gegangen sind, erfüllt? Die Jugend- und Chaluzbewegung muß sich jetzt die Frage nach dem Schicksal der zionistischen Bewegung stellen. Es gibt da kein Ausweichen, denn ihr Schicksal ist unlösbar mit dem Aufstieg oder Niedergang des Zionismus verknüpft. Ich weiß, daß ich Gefahr laufe, in vielem mißverstanden zu werden. Mit meinen Bemerkungen hoffe ich aber, Anregungen zu einer Klärung dieser Dinge gegeben zu haben. ZEITFRAGEN Das neue Buch von Lindsey und Evans*) ist in vielfacher Hinsicht für uns von Bedeutung. Es handelt von einer Revolution, die wir bisher niemals als Revolution anzusehen gewohnt waren. Im Gegenteil, das, was wir bis jetzt als Revolution der Jugend und insbesondere Revolution der Jugendbewegung bezeichnet haben, ist dem, was in diesem Buche beschrieben ist und von ihm gefordert wird, völlig entgegengesetzt. Lindsey ist ein amerikanischer Jugendrichter oder vielmehr der erste Jugendrichter Amerikas, von dem die gesamte Jugendgerichtsbewegung, auch die Europas, sehr stark beeinflußt worden ist. Die Tatsache, daß Lindsey Richter ist, ist aber für dieses Buch nur insofern von Bedeutung* daß er dadurch einen besonders tiefen Einblick in das Leben seiner Umgebung gewonnen hat; seine Anschauungen und seine Forderungen stehen aber im schroffstem Gegensatz zu denen von Richtern sonst. Man hat beim Lesen des Buches sehr oft den Eindruck, daß dieser Richter Menschen gegen das Gesetz hilft. Das Erschütternde an diesem Buch ist, daß jeder, der es liest, sich fragen muß: sind die Zustände, die in ihm geschildert werden, eine besondere Eigentümlichkeit Amerikas oder sind sie auch in unserer Umgebung vorhanden? Und mit einer *) „Die Revolution der modernen Jugend", Dt. Verlagsanstalt Stuttgart 1927. . 59