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Der junge Jude · 1928-01-01 · Heft 2 (Januar 1928) · p. Seite 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 56 (sequence 18)
Language
German
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glichen einer fremdartigen Schrift im abendlichen Silberraum. Auf dem Holzhaufen dahinter, in einiger Entfernung vom Lager, fand eine Versammlung statt. Im Lager selbst hält man keine Versammlungen ab — Versammlungen sind hier überhaupt nicht gerne gesehen. Dieses Sitzen hier, der Zwang, rasch zu Ende zu kommen, denn um 9 Uhr muß man bereits im Zelt auf dem Lager sein, auch die Unfreiheit, die man fühlte, als ob man etwas Verbotenes täte, gaben der ersten Versammlung der Achduth-Haawodah-Genossen, hier den Charakter jener ersten Zusammenkünfte der Gründer der Achduth-Haawodah im Lager des Gdud Haiwri in Halmija oder Tel-Kabir in Aegypten. Fünf Minuten vor Neun näherte sich der Arzt in langsamen Schritten den Versammelten. Sein Erscheinen besagte: man muß schlafen gehen. Man bat um einige Minuten Verlängerung, nur einige Minuten — sie wurden mit pedantischer Unterstreichung gewährt. In dieser Versammlung hatten sich kaum die Fesseln der Zunge gelöst; man hatte nur die Grundzüge der örtlichen Probleme gezeichnet, einen Waad gewählt. Dies war eine zivile Versammlung in militärischem Stil — die erste im Lager östlich des Jordan. Diesseits der Brücke, auf dem westlichen Jordanufer stehen einige arabische Hütten, ein arabisches Tennenstück und eine Kwuzah, die ,,Kwuzath Gescher". Verschiedene Bachurim haben ihre Kraft versucht, gerade auf diesem Boden hier jüdischen Fuß zu fassen. Fieber, Hitze, Qualm der Wohnstätten eines verwüsteten Araberdorfes und Hartnäckigkeit. Wozu und weshalb haben sich jüdische Bachurim auf diesem Erdfleck zusammengeschlossen? Wer versteht das Herz der Chaluzim! Sie sparen sich Essen ab und stecken es in die Wirtschaft, das Fieber steckt ihnen in den Gliedern und ein Wille loht in ihrer Seele: zu pflügen und zu pflanzen. Der Jordan fließt dahin. Der Mond irrt am blauen Himmel. Alle Augen sind nach der Arbeit des Tages am großen Pflug von tiefem Schlummer erfaßt. Hier ist ein guter Boden, und wie sollte man ihn nicht bepflanzen? Bald werden hier wahre Orangenhaine wachsen. Der bewässerte Weingarten gibt bereits seine Erstlingsfrüchte. Alle Arbeitenden schlafen unter freiem Himmel. Die Lager stehen auf den Dächern der arabischen Hütten. Hier auf dem Dach ist es etwas höher als auf dem Boden, der unter dem Meeresspiegel liegt. In der Luft schwirrt der Flügelschlag der kleinen Mücken, an deren Existenz die Leute des Ortes überhaupt nicht glauben. Der Stich dieser Mücken ist nach Ansicht der Kwuzahleute kein Stich. Auf meinem entblößten Arm aber hinterläßt er das Zeichen aller blutsaugenden Insekten. Der Rutenbergplan, der Jahre hindurch der Kwuzah winkte, stärkte den Mut der Chawerim, all den vielen Widrigkeiten des Ortes von Seiten Gottes und von Seiten der Pika zu widerstehen. Die Natur verlangt hier eine Kwuzah, jeder für sich kann hier nicht bestehen. Beim Anblick des geräuschvollen Beginns der Arbeiten des Projekts erwacht die Hoffnung, daß die Kwuzah schließlich unter Dach gebracht wird, ihr Vieh in Pferde- und Kuhställe kommt und ihre Wirtschaft auf- 56

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