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Der junge Jude · 1928-01-01 · Heft 2 (Januar 1928) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 52 (sequence 14)
Language
German
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schichte Israels gibt als den Samariens. Dieser Name wurde zum Symbol für Bruderzwist, Trennung und ewigen Zwiespalt. Wie leicht wird es ums Herz, wenn sich dir nach einer langen Reise in den Bergen Samariens auf einmal die Felder Israels in der Jesreelebene offenbaren. Hinter En-Gannim, das auf der Grenze Samariens liegt, fühlen wir sofort heimische, uns liebkosende Luft. Hier auf diesem ebenen Boden wird die ganze Last von unserem Herzen gewälzt. Hier können wir noch alles gut machen. Der erste jüdische Hain, den wir zu den Seiten der Landstraße sehen, er war es, der alle Schatten augenblicks vertrieb. Wir tun gut daran, die Spuren der Gleichgültigkeit und Müdigkeit, die die ganze weite Reise über uns ausgespannt hat, hinwegzuwischen. Das Gefühl war: wir sind angekommen. Wer auf Jesreels Boden schreitet, — ist angekommen. Diese blühenden Felder; der hier wehende Wind; das Licht, das auf die Landschaft fallende Licht, — das alles versöhnt, tröstet, sät Hoffnung, Das Emek-Gefühl läßt sich nicht in Worte kleiden. 4. Mit Untergang der Sonne steigen wir zum Kfar-Jeladim an. Auf dem Bergrücken stehen im Kreise die weißen Häuser und in der Mitte der weite Hof mit seinen zarten Pflanzungen. Am Tor, auf dem Feldef ein Heuhaufen und spielende Kinder auf ihm. Am Abhang Getreidefelder. Felder, die bis Afule bearbeitet werden. In Kfar-Jeladim fühlt man Festesluft. Ueber dem Eingang der Synagoge ist eine blaue Riesenbüchse, in Mannesgröße, angebracht, Sie deutet gleichsam auf den ganzen unten ausgebreiteten Emek: Mit meinem Groschen sind diese Felder erlöst worden . . . Auf dem Platz und den Feldern ringsherum gehen die Gäste aus Jerusalem, die zu früh gekommen waren, spazieren. Die Kinder freuen sich über die neuen Gesichter, die großen unter ihnen stehen gruppenweise und blicken nach Bialik hin, die kleinen füllten sofort die leeren Autobusse, und es war unmöglich, sie davon wegzubringen ... In dieser Berggegend ist der Abend kühl und gut. und wir stehen und betrachten den flammenden Sonnenuntergang zwischen den Wolken und in den Bergen, die sich in scharfen Schattenrissen wie gezeichnete Linien abheben. Der Abend fiel schnell herab und große Finsternis erfüllt das ganze Emek. Die Nacht am Ende eines Monats ist dunkel, und schwer unterscheidest du sogar die Massen des Tabors und die Berge Gilboas. Aber auf dem Boden des Emeks leuchten von allen Seiten rote Lichter auf: hier En-Charod, hier Beth-Aifa, dort Kfar-Jecheskel, Merchawja, Nahalal — der Emek ist nicht leer selbst im Finstern . . . 5. Die Fackeln, die auf dem Dache der Synagoge angesteckt sind, rufen uns zu der Eröffnung der Zusammenkunft: Das Haus ist grün geschmückt, die Kinder singen „Techesaknah" und „Jaale". Das Haus füllt sich mit erwachendem Beben, als Ussischkin bleich und erregt dasteht und zitternd zum 101 ten Mal über den nicht genügenden Boden spricht, über diesen Boden Israels, an den unsere ganze Hoffnung geknüpft ist und ohne den all unsere Träume nichts sind — und das Volk kommt nicht und beeilt sich 52

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