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Der junge Jude · 1928-01-01 · Heft 2 (Januar 1928) · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 50 (sequence 12)
Language
German
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nichts, das einen in dieser Stunde traurig stimmen könnte. Und wenn man noch weiß, daß dies nicht irgend ein einfacher Ausflug, sondern eine Reise zu guter Tat zusammen mit den Lehrern und Erziehern Erez Israels ist, um wichtige Maßnahmen für die Erlösung des Landes, die Geulath Haarez, zu treffen, um wieviel mehr hat man dann das Recht, froh und guter Dinge zu sein. Und so war es in der Tat. An den drei großen Autobussen, die vor dem Büro des Keren Kajemeth in Tel-Aviv standen, sammelten wir uns alle, die wir an der Fahrt teilnahmen und waren alle in gehobener Stimmung. Zu einer guten Tat sind wir ja entsandt. Die Freude erleuchtete unser Gesicht, und jeder, der in dieser Stunde an uns vorbeiging, beneidete uns sicherlich sehr. Nur etwas trübte unsere Stimmung ein wenig — Bialik, der ebenfalls mit uns reist, ist noch nicht da. Ein Eilbote läuft zu ihm, ein anderer kommt — die Sache will nicht recht vom Fleck. Bialik schläft noch — eine schwere Wolke senkt sich auf unser Lager herab. Nein, er ist bereits aufgestanden. Er macht Toilette. Schließlich: Gottlob, er frühstückt bereits! Bei dieser letzteren Botschaft frohlockten alle Gesichter, und die Freude war in der Tat nicht umsonst. Nach kaum einer halben Stunde saß Bialik mit uns im Autobus. Wir bewegten uns vom Ort. Zunächst ist die Fahrt nicht besonders genußreich. Unsere großen Autobusse kriechen im Sand, stöhnen vor Anstrengung und kommen nur mühsam vorwärts. An den Jarkon-Ufern sind die Wege nicht sehr gut, und wir nehmen den Weg langsam durch enge Pfade. Aber die Fülle des Grünen und die kühle Nähe des Wassers belohnen uns für das Schütteln und die Sprünge unserer Maschinen. Wenn man gut gelaunt ist, achtet man solcher Kleinigkeiten nicht. 2. Bialik fiel unserem Auto zu. Er erheitert uns nicht nur durch sein Gespräch, in dem er sich häufig zur Höhe eines einzigartigen Erzählungskünstlers emporschwingt, — er füttert uns auch bei seinem Gespräch mit „Torah" und läßt den ganzen Weg von seinem „Lernen" nicht ab. Das ist seine Natur, seit ich ihn kenne. Jede neue Erklärung, die er findet, jede kostbare Perle, die er aus der Mischna, der Agada und der mittelalterlichen Literatur fischt, — all dies freut er sich seinen Hörern bekannt zu geben, zu erklären und mundgerecht zu machen, und wer versteht wie er, die Worte der Alten unseren Begriffen näher zu bringen! Jeder Ausspruch, jede Agada wird von ihm restlos beleuchtet, bis in die Tiefe ihrer menschlichen, ewigen Bedeutung. Er versteht mit einem Schlage die Staubschicht von den alten Goldmünzen zu entfernen und siehe, sie leuchten uns wie neu entgegen! Jeder infolge häufigen Gebrauches oder formaler Erklärung banal gewordene Ausdruck wirft, sobald er nur in seine Hand fällt, die Schale ab und enthüllt sich in seinem Kern, dem Unvergänglichen an ihm. Auch in dieser Hinsicht ist er einzig in seiner Art. Der antike Ausdruck dient bei ihm nicht, wie bei Mendele in seiner letzten Lebensperiode, als Material zu einer Auslegung. Im Gegenteil, — mit einer einzigen Handbewegung entfernt er alles, was die Ausleger hinzugefügt haben, und die Worte entblößen sich in ihrer primären Einfachheit 50

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