Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Steuerverteilung. Nackter, schamloser Besitzgeist! Dies ist, nebenbei, die schwarze Macht im Lande, und nicht die Orthodoxie. Sie sucht — ihrer Natur nach — die Nähe der Herrschenden, paßt sich der Sprache der Regierung an, ist der Träger der Assimilation im Lande, hetzt Effendi und britische Beamten auf die Masse des Volkes. Dieser Kreis findet seine Beschützer unter den englischen und amerikanischen Zionisten. Er fürchtet den jüdischen Arbeiter und — typisch! — nicht den nichtjüdischen Arbeiter. Er kann keinen friedlichen Weg gehen, vor nichts schreckt er zurück, um allen Preis gilt es, der „Herrschaft des Arbeiters" ein Ende zu setzen. Und auch die Gruppe der nicht unmittelbar Beteiligten gab uns eine Lehre. Zeigen Sie uns, daß wir von anderen etwas zu erhoffen haben, oder nur auf uns vertrauen dürfen? Aber die Probe zeigt uns, daß der Jischuw — d. h. der zionistische Bürger im Lande, der Intelligenzler immer erst erwachen, wenn es eingeschlagen hat. Aber wie kümmerlich ist dies ihr Erwachen! Verfügen sie nur über die Kraft der Beredsamkeit? Man bemüht sich zu vermitteln, zu ebnen, zu beruhigen. Aber es fehlt die brennende, aktivierende Erkenntnis, die im Herzen des Arbeiters lebt; dessen Existenz an die Verwirklichung des Zionismus gebunden ist. Und jetzt die Frage: was soll werden? Manche meinen, die Angelegenheit sei beendet: unsere Genossen sind im Gefängnis, die Ernte nimmt ihren normalen Verlauf, arabische Händler schützen das jüdische Eigentum . . . Aber die Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen. Die Pflanzer, die Regierung, die Oeffentlichkeit sollen es wissen, daß wir in diesem Kampf kein Nachgeben kennen. Wir müssen unsere Positionen in der Arbeit stärken, oder wir vernichten uns selbst. Wenn die Frage nicht positiv gelöst wird, werden neue Posten kommen; an die Stelle der gefangenen Genossen werden neue Genossen treten. Die Sache ist nicht mehr Angelegenheit eines einzelnen Arbeiters und eines einzelnen Bauern — sie ist eine Öffentliche geworden. Wir dürfen die uns gegebene Gelegenheit nicht verpassen: wir müssen das Werk des Arbeiters zum Werk des Volkes machen und unsere Bewegung zum Rückgrat der nationalen, um die Fahne des Arbeiters müssen wir die Massen sammeln, die selbst an der Peripherie der Arbeiterschaft leben, deren Söhne aber mitten im Lager der Arbeit stehen werden. — JAKOB FICHMAN : DIE ZUSAMMENKUNFT IN KFÄR-JELADIM (zu Gunsten des Keren-Kajemeth) 1. Wenn man an einem schönen Nissan-Morgen aufsteht, die Sonne gnädig leuchtet, die Lüfte kühl und das Grün noch lebendig und frisch ist, und man weiß, daß man Tel-Aviv bald verlassen und durch die Saronebene, die Berge Samariens und den Emek bis zu dem lieblichen Bergnest Kfar- Jeladim fahren wird, so wird man wider Willen Optimist und es gibt 49