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Der junge Jude · 1928-01-01 · Heft 2 (Januar 1928) · p. Seite 47

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Journal
Der junge Jude
Volume
1 (1927-1928)
Issue
Heft 2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 47 (sequence 9)
Language
German
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wir als steigende Urbarmachung der jüdischen Energie und kulturelle Produktivierung jüdischer Arbeit bezeichnen. Von diesem geschichts-philosophischen Standpunkt bilden die jüdische Renaissance und der Sozialismus notwendige Korrelate. Die eine ist ohne den anderen unfruchtbar. Beide dienen einem Ziel: der Lösung des jüdischen Produktivierungsprohlems. Denn das ist die höchste und allgemeinste unter allen alljüdischen Aufgaben: das jüdische Leben produktiv zu machen. Die Lösung ist schon von der jahrzehntelangen Entwicklung vorbereitet worden. Die wirtschaftliche und kulturelle Tätigkeit der jüdischen Massen, die körperliche und geistige Arbeit der Juden werden in der Tat immer mehr produktiv. Der alljüdische Sozialismus umfaßt alles, was in dieser Richtung wirkt, und er wendet sich nur gegen dasjenige, was dieser großen Entwicklung den Weg zu erschweren oder gar abzusperren sucht. BERL KATZNELSON: DIE EREIGNISSE VON PETACH TIKWAH UND IHRE BEDEUTUNG (Aus einer Rede) Drei Faktoren wirkten bei den Ereignissen von Petach Tikwah: Arbeiter. Pflanzer, Regierung. Jeder tat das Seine, treu seiner Natur und inneren Logik; jeder belehrte uns über die Rolle, die er in der Kolonisation spielt. Was tat der Arbeiter in Petach Tikwah? Eine Tat,- die ihresgleichen in der Geschichte der Eroberung der Arbeit sucht. Im Jahre 5688, dem Jahre der schwersten Not, erleben wir, daß die Kraft des Arbeiters noch nicht dahin ist, daß er seiner Gesinnung treu bleibt. Es ist ein Jahr des Jubiläums. 50 Jahre vergingen seit unserer ersten landwirtschaftlichen Tat, dem Werke der ersten Pioniere jerusalemitischer Juden, der Gründung von Petach Tikwah. Vor 25 Jahren begann aber auch die zweite Alijah, welche die Forderung der jüdischen Arbeit erneuerte, die dem Lande und der Chibath-Zion verloren gegangen war. Sie zeigte, daß unser Werk sittlich und wirtschaftlich ohne die jüdische Arbeit scheitern muß. Wie kämpfte der Arbeiter um sein Recht auf Arbeit in diesen 25 Jahren? Verstand ihn die zionistische Bewegung? Half ihm die Regierung? Einsam, unverstanden auch von der Bewegung, von der auch wir unseren Ursprung hatten, ohne ernstliche wirtschaftliche Hilfe, führten wir unseren Kampf. Wir erlitten Niederlagen. Viele verließen darauf die Front; unter ihnen nicht nur die, die am Lande verzweifelten, sondern auch diejenigen, die ihre Kräfte dem Aufbau einer Siedlung der Arbeiter selbst, einer eigenen Arbeiterwirtschaft widmeten. Aber gerade in jener Zeit, da die besten Kräfte sich diesem neuen Ziele zuwandten, verzichtete die Arbeiterbewegung nicht auf ihren Platz im privatwirtschaftlichen Betriebe. Mit der steigenden Einwanderung be- 47

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